Jede der durch Rheinland-Pfalz führenden Autobahnen ist für bestimmte Auffälligkeiten bekannt. So werden auf der A 61 so viele Drogentransporte ermittelt, wie sonst kaum woanders. Auch die Zahl von – teils spektakulären – Unfällen mit Wohnanhängern und Wohnmobilen ist dort überproportional groß. Weil auf dieser Autobahn eben viele Niederländer unterwegs sind. Die A 6, die bei Ludwigshafen auf die Pfalz trifft und diese in Ost-West-Richtung vorbei etwa an Kaiserslautern bis ins Saarland durchquert, liefert in den vergangenen Wochen ganz andere Geschichten.

Zunächst einmal über eine Vielzahl von illegalen Autorennen. Und dann sind da zwei Polizeiberichte, die landesweit hervorstechen. Und die man nicht glauben könnte, wenn sie nicht amtlich dokumentiert wären. Der eine datiert vom Dienstag dieser Woche (9.12.2025). Da machte eine Streife der Polizeiautobahnstation Kaiserslautern in Höhe Ramstein gegen 22 Uhr eine geradezu unfassbare Entdeckung. Die Beamten wurden auf einen Pkw aufmerksam, in welchem sie am Steuer eine Frau erkannten, die bei über 100 km/h auf ihrem Handy herumtippte.
Regelrecht geschockt waren die erfahrenen Beamten allerdings, als sie dann erkannten, dass die Frau ein Kleinkind auf dem Schoß hatte, welches mit beiden Händen das Lenkrad hielt. Die junge Frau wurde sofort an der nächsten Abfahrt von der Autobahn geleitet und dort einer Kontrolle zugeführt. Dabei zeigte sie sich völlig uneinsichtig und gab an, dass es ihrem nicht einmal zwei Jahre alten Kind nicht so gut ginge und sie deshalb mit ihm in ein Fast Food Restaurant fahren wollte. Zum Schutz des Kinder vor dieser Mutter wurden verschiedene Dienststellen informiert.
In ganz anderer Weise wurde ein paar Tage zuvor ebenfalls auf der A 6 bei Ramstein ein Autofahrer auffällig, der in der Dunkelheit ohne Licht und mit angezogener Handbremse unterwegs war. Was der 19jährige als Begründung ablieferte, beeindruckte die eingesetzten Beamten sehr. Denn der Fahranfänger nutzte in seinem Sportwagen die linke Spur. Mehrere Verkehrsteilnehmer*Innen hatten zuvor versucht, den Fahrer mit Lichthupe auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Jedoch ohne Erfolg.
Auch die Streife konnte den Fahrer zunächst nicht zum Spurwechsel bewegen. Trotz eingeschaltetem Blaulicht setzte der 19jährige seine Fahrt auf der linken Spur fort unbeirrt fort und hielt dann schließlich mitten auf der Fahrbahn an. Die Polizisten lotsten ihn daraufhin auf einen nahegelegenen Parkplatz, um die Situation zu klären. Bei der anschließenden Kontrolle stellte sich heraus, dass der junge Mann nicht nur ohne Licht gefahren war, sondern auch mit angezogener Handbremse unterwegs gewesen ist.
Im Fahrzeugcockpit war ein deutliches Warnsymbol zu sehen, das auf die angezogene Feststellbremse hinwies. Nach Angaben der Polizei erklärte der Fahrer, er habe das Fahrzeug erst kurz zuvor aus einer Werkstatt abgeholt. Offenbar sei dort die automatische Lichtsteuerung deaktiviert worden. Der Mann gab an, nicht gewusst zu haben, dass das Licht manuell einzuschalten ist. Ähnlich habe er über die Funktion der Handbremse gedacht, die er während der Fahrt nicht gelöst hatte. Die Beamten stellten weder Alkohol- noch Drogenkonsum fest.
Der 19jährige wurde verwarnt und durfte seine Fahrt nach der Kontrolle fortsetzen. Mit der Verwarnung hat der junge Fahrer richtig Glück gehabt. Bzw vom Mitleid der Beamten profitiert. Diese Fälle machen deutlich, wie ernst ein Sponti-Kommentar zur amtlichen Unfallstatistik zu nehmen ist. Demnach werden 13% aller Unfälle von Fahrzeugführer*Innen begangen, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen. Was die Frage aufwirft: „wer schützt uns vor den 87 % nüchternen Idioten?“
