Es ist eine jahrzehntelange Tradition im Rat der Stadt Bad Kreuznach: das nach Lebensjahren älteste Ratsmitglied hält in der letzten Sitzung des Jahres eine Rede. Schon in der vorherigen Ratsperiode war das Jürgen Eitel. Er übernahm die schwierige Aufgabe, aus den vergangenen 12 Monaten das herauszufiltern, was für möglichst viele im Ratsrund Konsens ist. Und doch die ein oder andere Spitze zu setzen, um Fehlentwicklungen zu kritisieren. Und konstruktive Entwicklungen anzustoßen. Tourismusbeitrag-so-nicht.de dokumentiert seine Rede in der Textfassung. Es gilt das gesprochene Wort.
Jürgen Eitel am 11. Dezember 2025
„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Letz, Herr Bürgermeister Blechschmidt, Herr Beigeordneter Schlosser, lieber Ratsmitglieder und Zuhörer. Als ältestes Ratsmitglied darf ich mich heute traditionsgemäß zum Jahresabschluss an Sie wenden. Wir sind jetzt gerade 1 ½ halb im Amt und haben noch 3 ½ Jahre vor uns. Im ablaufenden Jahre waren wir von kriegerischen Ereignissen umgeben – der Krieg in Gaza, in der Ukraine der nicht zu Ende gehen scheint und der Krieg im Sudan der Millionen Menschen mit dem Hungertod bedroht. Auch unser Vaterland ist nach der US-Wahl nicht mehr sicher, eventuell in eine militärische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden.

Zudem kommt ein teilweiser Rückgang unserer Industrie. 80 Jahre nach dem II. Weltkrieg stehen wir vor großen Herausforderungen, wie wir sie in dieser langen Friedenszeit nicht gekannt haben. Alles wirkt zur Zeit verunsichert. Stehen die Vereinigten Staaten noch auf unserer Seite? Seit Mai 2025 haben wir auch eine neue Bundesregierung – viele Bundesbürger sind aber über deren Ergebnisse enttäuscht und verunsichert Auch wir in unserer Stadt stehen und standen vor großen Herausforderungen. Der Haushalt 2025 wurde sehr spät von der ADD genehmigt und Herr Blechschmidt sah für das Jahr 2026 einen Fehlbetrag um die 20 Millionen Euro.
Um die Bäderlandschaft zu retten hat der Stadtrat im Frühjahr die Grundsteuer B stark erhöht und die Gebühren für das Parken massiv gesteigert. Gerade deswegen stehen wir Stadträte in der Bevölkerung aber auch im Umland unter massiver Kritik. Bleibt nur zu hoffen dass uns mit diesen Maßnahmen die Rettung der Bäderlandschaft wirklich gelingt. Wir haben auch den neuen Stellenplan genehmigt, was rund 30 neue Stellen mehr bringt. Ich meine, hier können wir so nicht weitermachen. Danke an Frau Herberger und Ihr Team, der es in Zusammenarbeit mit der ADD gelungen ist, unseren Stellenplans abschließend zu bereinigen.
Für die Zukunft müssen wir aber die Digitalisierung schnell mit all unserer Kraft vorantreiben, hier werden sich zahlreiche Einsparungen ergeben. Innerhalb der Verwaltung müssen wir auch den Bürokratismus bekämpfen, der uns viele zusätzliche Stellen kostet. Herr Oberbürgermeister gerade bei diesem Thema können alle Mitarbeiter der Verwaltung große Hilfe leisten, denn sie kennen am besten die Probleme. Starten Sie doch eine entsprechende Bürokratie-Initiative. Der neue Service Center im Rathaus zusammen mit der Sparkasse ist ein gutes Beispiel wie man es machen kann. Wir können auch stolz darauf sein, dass es uns zusammen mit einem Unternehmer gelungen ist, das historische Brückenhaus zu retten.
Es ist jetzt wieder ein Leuchtturm in unserer Stadt. Ich freue mich auch dass wir auch in diesem Jahr vorbildlich unsere Städte – Partnerschaft mit Neuruppin und Bourg-en-Bresse fortgesetzt haben, sie waren wieder mal in Bad Kreuznach. Im Stadtrat haben sich CDU, SPD und die FDP zu einem Bündnis für Bad Kreuznach zusammen geschlossen. Zusammen haben sie eine deutlich Mehrheit mit der sie Themen voranbringen können. Oft klappt es – aber nicht immer. In einem Thema sind alle Mitglieder unseres Rates einer Meinung. Das ist der Löwensteg. Wie sehnen alle ihn so schnell wie möglich herbei. Die Hochwasserschutz Übung in den vergangen Wochen ist erfolgreich verlaufen – Gott sei Dank.
Wir haben es geschafft wieder einen ausgeglichenen Haushalt 2026 vorlegen zu können. Lieber Herr Blechschmidt da haben Sie eine gute Arbeit geleistet – Ansporn dafür es auch in den kommenden Jahren so zu machen. Vor kurzem haben wir unseren Ratskollegen Stefan Butz verloren. Stefan Butz der sich durch seine kritische Betrachtung der Dinge aber auch durch seine Weitsicht ausgezeichnet hat. Er wird uns fehlen. Als Nachfolgerin können wir Frau Homaira Mohammadnejad im Rat begrüßen. Vor wenigen Wochen haben wir Mirko Helmut Kohl zu unserem neuen Beigeordneten gewählt. Er wird Markus Schlosser nachfolgen, der am 30.4.2026 aus dem Amt scheidet.
Lieber Mirko, ich wünsche Dir eine glückliche Hand für diese große Aufgabe. Zu guter Letzt möchte ich mich bei Herrn Cron und bei Frau Weller für die Organisation der Bundestagswahl im März dieses Jahres bedanken. Das war wochenlanger Stress. Sie haben beide wieder eine große professionelle Kompetenz bewiesen. Danke. Wir Stadträte bedanken uns auch bei der gesamten Verwaltung und beim Stadtvorstand für die im ablaufenden Jahr geleistete Arbeit. Trotz der Umzugsmodalitäten haben sie eine sehr gute Arbeit geleistet. Wir Stadträte bedanken uns dafür. Für das Jahr 2026 wünsche ich mir persönlich 2 Dinge in unserem Rat:
1. dass wir Stadträte immer respektvoll miteinander umgehen und persönliche Angriffe in allen Fällen unterlassen (z.B. Angriffe auf Hermann Holste) 2. dass wir unsere liebenswerte Stadt am Nahe-Fluss und die Stadtteile zu einer wirklich grünen Lunge weiter entwickeln – hierzu müssen alle Bewohner ohne Ausnahme mitarbeiten. Der Klimawandel lässt sich nicht aufhalten. Wir spüren es jeden Tag – im Dezember haben wir fast Frühling. Ich bin am Ende – Ihnen und Ihren Angehörigen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2026 – und Friede auf Erden“.
