In keinem anderen Ausschuss werden die Verwaltungsvorschläge so häufig durch solche aus den Reihen der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker*Innen verändert, wie im Jahrmarktsausschuss. Der amtlich korrekt Ausschuss für Messen und Märkte heißt. Die Gremienmitglieder sehen sich eben dem größten Volksfest der Region in besonderer Weise verpflichtet. Und sammeln durch die Besuche anderer Großveranstaltungen im gesamten Bundesgebiet Erfahrungen und Informationen, die sie in ihre Ausschussarbeit vor Ort einbringen.

Und so hat es sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Ritual entwickelt, das die Verwaltung ihre Liste vorlegt. Und mit einer Mischung aus Sarkasmus und Galgenhumor hinnimmt, dass – mit teils großen Mehrheiten – Veränderungen beschlossen werden. Dabei ist offensichtlich, dass sich die Mehrheit der Ausschussmitglieder vor der Vergabesitzung im privaten Kreis trifft, um eigene Vorschläge abzustimmen. Deren Präsentation verfeinert sich im Laufe der Zeit immer mehr. Die entsprechenden Anträge werden etwa auf immer mehr Köpfe verteilt.

So wurden in der Sitzung am gestrigen Mittwoch (10.12.2025) gleich von sechs Ausschussmitgliedern Änderungsanträge eingebracht. Und nach teils kontroverser Diskussion, bei der Marktmeister Mathias Weyand wacker – wenn auch meist aussichtslos – die Verwaltungsposition vertrat, angenommen. Was Weyand zu der Frage veranlasste, ob er seine Argumente überhaupt vortragen solle, wenn doch die Mehrheit dagegen schon vorher feststeht. Karl-Heinz Delaveaux (FWG / BüFEP) ermunterte den Marktmeister zum Weiterreden. Wovon eine handvoll Zuhörer*Innen profitierte.
Die durch die Aussprache die unterschiedlichen Standpunkte besser kennenlernten. Frontbreiten und Standtiefen spielen da eine ebenso große Rolle, wie die Attraktivität der Buden, Attraktionen und Fahrgeschäfte. Auch die Zuverlässigkeit der Betreiber, ein möglichst offener Zugang für alle Bewerber*Innen und das Vermeiden von mehreren Zulassungen für eine einzige Familie sind wichtige Aspekte. In einem Punkt war sich der Ausschuss am Ende mit der Verwaltung einig: der Bad Kreuznacher Jahrmarkt soll ein Publikumsmagnet bleiben. Dabei spielen erfahrungsgemäß die Großfahrgeschäfte eine wichtige Rolle.
Mindestens für die ist der Vergabetermin im Dezember zu spät. Das war schon in den vergangenen Jahren mehrfach angesprochen worden. Björn Wilde (SPD) beantragte daher das Vorziehen der Vergabesitzung um einen Monat. Und für die kleine Gruppe von „drei bis vier“ Großfahrgeschäfte einen Zuschlag bereits im Sommer des Vorjahres in Alleinverantwortung der Verwaltung. Beide Anträge stießen auf erheblichen Widerstand, so dass Wilde sie wieder zurückzog. Der erste Wilde-Vorstoss scheiterte an Marktmeister Mathias Weyand.
Die nötigen Vorbereitungen für eine um Wochen vorgezogene Vergabesitzung „schaffe ich nie im Leben“. Immerhin müsse er rund 600 Bewerbungen erfassen und auswerten. Dies sei schneller nur mit mehr Personal möglich. Eine Alternative, auf die die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker*Innen wegen der finanziellen Folgen für den Stadthaushalt allergisch reagierten. Jahrmarktsbürgermeister Markus Schlosser beendete diese Diskussion mit der Aussage „was nicht geht, geht halt nicht“. Und auch für die Großfahrgeschäft-Vergabe durch die Verwaltung konnte sich die Mehrheit nicht erwärmen.
Zu frisch ist noch die Erinnerung daran, dass die SPD-Stadtratsfraktion in der letzten Ratsperiode den Vorstoß wagte, den Jahrmarktsausschuss abzuschaffen und die Vergabe nach über 120 Jahren zu 100% in die Hände der Verwaltung zu legen. Karl-Heinz Delaveaux setzte sich in diesem Punkt schließlich mit dem Vorschlag durch, die Fraktionen sollten darüber zunächst intern sprechen. Und eine Entscheidung in der nächsten Sitzung im Mai 2026 treffen. Mit diesem Vorgehen konnte sich auch Markus Schlosser anfreunden. Ausdrücklich mit dem Hinweis, dass dann ein anderer die Sitzung leitet (weiterer Bericht folgt).
