Das Märchen vom verschwundenen Wasser

In und um Bosenheim ist das vor über zweieinhalb Jahren geschlossene Schwimmbad noch immer ein wichtiges Thema. Grund dafür ist weniger der objektive Sachverhalt. Sondern mehr die von den Menschen – sehr nachvollziehbar – als dubios und hinterhältig eingeschätzten Umstände. Nicht ganz zufällig war daher das Funktionsgebäude der erste Austragungsort der diesjährigen Adventsfenster-Aktion, die vom Bosenheimer Ortverschönerungsverein organisiert wird. So konnte Johanna Lorenz, die Vorsitzende des Schwimmbadfördervereines (SFV) am gestrigen Freitagabend (5.12.2025) schon vor dem für 18 Uhr angesetzten Termin einige Dutzend Bosenheimer*Innen begrüßen.

Für die gab es bei feucht-kaltem Wetter zwar auch wärmende Getränke. Und eine kleine Zuwendung für den auf der Schwimmbadwiese herumtollenden kleinen Hunger. Aber vor allem Nahrung für Herz und Hirn. Zunächst in Form einer von Irina Bott getexteten Geschichte, die sie gemeinsam mit Sophie Semus vortrug: „Das Märchen vom verschwundenen Wasser – und der Hoffnung von Bosenheim“ (weil sehr lesenswert nachstehend in der Textfassung im Wortlaut wiedergegeben). Danach wurde, von Dr. Volker Hertel auf der Gitarre begleitet, inhaltlich passend das Kirchenlied „Kleines Senfkorn Hoffnung“ gesungen.

„Das Märchen vom verschwundenen Wasser – und der Hoffnung von Bosenheim“ (Text: Irina Bott):

„Es war einmal, mitten im schönen Bosenheim, ein kleines Schwimmbad. Es lag wie ein blauer Edelstein zwischen Wiesen und Bäumen, und an warmen Sommertagen glitzerte sein Wasser in der Sonne, als würden tausend Sterne darin tanzen. Die Menschen in Bosenheim liebten ihr Schwimmbad. Schon seit vielen Jahren kamen Kinder, Eltern und Großeltern hierher. Es war ein Ort der Freude, der Begegnung und des Lächelns.

Sophie Semus und Irina Bott trugen das Märchen vom verschwundenen Wasser vor.

Doch tief unter dem Boden schlummerte ein Geheimnis. Irgendwo verlor das Schwimmbad Wasser. Niemand wusste genau, wohin es verschwand – es war, als hätte das Becken ein kleines unsichtbares Leck, das das Wasser heimlich davonfließen ließ. Lange Zeit stand dieses Rätsel im Raum. Man sprach darüber, man suchte, man hoffte, dass es bald eine Lösung gäbe. Doch das Schwimmbad blieb offen, die Sonne schien, und die Kinder lachten weiter.

Und dann, im Sommer 2023 – mitten im fröhlichen Badebetrieb – geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. Eines Morgens kamen die Menschen ans Becken, doch da hing ein Schild am Tor: „Geschlossen.“ Das Bad durfte nicht mehr öffnen. Die Stadt hatte entschieden, dass das Leck zu gefährlich sei, das Wasser zu sehr versickere.

Von einem Tag auf den anderen war es still in Bosenheim. Kein Platschen mehr, kein Lachen, keine fröhlichen Rufe über den Zaun hinweg. Die Sonne schien weiter, aber sie schien ein bisschen blasser, weil etwas fehlte. Viele Menschen waren traurig, manche auch enttäuscht und wütend. Und über allem lag eine große Frage: „Wird unser Schwimmbad jemals wieder öffnen?“

Doch in Bosenheim gab es Menschen, die schon lange ihr Herz an das Schwimmbad verloren hatten – den Schwimmbadförderverein Bosenheim. Schon seit Jahren hatten sie geholfen, Feste organisiert, Spenden gesammelt, gebacken, gewerkelt und geträumt – alles, damit das Bad weiterbestehen konnte. Als die Schließung kam, gaben sie nicht auf. Im Gegenteil: Sie rückten noch enger zusammen, hielten Versammlungen ab, schrieben Briefe, sprachen mit der Stadt und suchten weiter nach Wegen.

Manche sagten: „Es ist vorbei.“ Aber sie sagten: „Nein – nicht, solange wir noch Hoffnung haben.“ Und so brannte in Bosenheim ein neues Licht – ein Licht der Zuversicht. Es war wie eine kleine Flamme, die nicht verlöschte, egal wie dunkel es manchmal wurde. Und heute, in dieser besonderen Adventszeit, steht dieses Licht für uns alle. Es ist die Hoffnungskerze von Bosenheim.

Sie erinnert uns daran, dass auch in Zeiten, in denen Türen geschlossen sind, das Herz offen bleiben kann. Dass aus Kummer Mut werden kann. Und dass Gemeinschaft stärker ist als jede Mauer, jedes Tor, jedes Leck im Boden. Vielleicht dauert es noch eine Weile, vielleicht gibt es noch viele Gespräche und Wege, bevor das Schwimmbad wieder seine Tore öffnet. Aber eines ist sicher:

Die Hoffnung lebt – so wie das Licht einer Kerze, das weitergegeben wird und heller leuchtet, je mehr Menschen daran glauben. Und wer weiß – vielleicht wird eines Tages, wenn der Sommer wiederkommt, das Wasser in Bosenheim wieder glitzern, das Lachen der Kinder wieder erklingen, und das Bad schöner sein als je zuvor. Denn manchmal brauchen die schönsten Geschichten einfach ein bisschen Geduld – und ganz viel Herz“.

Kleines Senfkorn Hoffnung (Text: Alois Albrecht, Melodie: Ludger Edelkötter)

1) Kleines Senfkorn Hoffnung,
mir umsonst geschenkt,
werde ich dich pflanzen,
dass du weiter wächst,
dass du wirst zum Baume,
der uns Schatten wirft,
Früchte trägst für alle, alle,
die in Ängsten sind.

2) Kleiner Funke Hoffnung,
mir umsonst geschenkt,
werde ich dich nähren,
dass du überspringst,
dass du wirst zur Flamme,
die uns leuchten kann,
Feuer schlägst in allen, allen,
die im Finstern sind.

3) Kleine Münze Hoffnung,
mir umsonst geschenkt,
werde ich dich teilen,
dass du Zinsen trägst,
dass du wirst zur Gabe,
die uns leben lässt,
Reichtum selbst für alle alle,
die in Armut sind.

4) Kleine Träne Hoffnung,
mir umsonst geschenkt,
werde ich dich weinen,
dass dich jeder sieht,
dass du wirst zur Trauer,
die uns handeln macht,
leiden lässt mit allen,
allen, die in Nöten sind.

5) Kleines Sandkorn Hoffnung,
mir umsonst geschenkt:
werde ich dich streuen,
dass du manchmal bremst,
dass du wirst zum Grunde,
der uns halten lässt,
Neues wird mit allen, allen,
die in Zwängen sind.

6) Kleines Wörtchen Hoffnung,
mir umsonst geschenkt,
werde ich dich singen,
dass dich jeder hört,
dass du wirst zur Botschaft,
die die Herzen füllt,
Freude weckt in allen, allen,
die in Schmerzen sind.

Das nächste Bopsenheimer Adsventsfenster findet am morgigen Sonntag (7.12.2025) um 18 Uhr bei Familie Fleer in der Mönchstraße 14 statt.