Bernd Burghardt’s Gedanken zum Advent

Gastbeitrag von Bernd Burghardt zur Grenze zwischen Glauben und
gelenktem Irrglauben – ein knapper adventlicher Erklärungsversuch

„Bei den Tieren können wir überlebenswichtige Reflexe und Instinkte feststellen, die über Generationen trotz sich stets verändernder Umwelt erhalten geblieben sind. Und wir finden Arten, deren „Ur-Programm“ schon lange vor dem Auftreten des Menschen angelegt war. Gleichzeitig erkennen wir Muster, die sich sogar artübergreifend etabliert haben. Insofern erscheint es mit Blick auf die Evolutionstheorie nur logisch, wenn sich bestimmte Prozeduren genauso beim Menschen offenbaren. Beim Homo sapiens scheint der Glaube an etwas Übernatürliches, Allmächtiges ebenso tief angelegt zu sein.

Das mag man damit erklären, dass er in seinen Anfängen den Naturgewalten wenig entgegenzusetzen hatte. Zudem war er nur in die Nahrungskette eingereiht. Andererseits könnte ihn der eigene sehr begrenzte Blick in die Unendlichkeit des Universums zu solchen Erkenntnissen bewogen haben, da rund herum ausschließlich kalte und lebensfeindliche Stein- oder Gaskugeln ihre Bahnen ziehen. Damals war es wie heute: der Mensch hatte wenig Kontrolle über sein Leben – nur heute glaubt er im Unterschied dazu, alles kontrollieren zu können oder zu müssen.

Und er suchte daher stets nach anschaulichen Erklärungen. Insofern erforschten wir schon bei den frühzeitlichen Menschen Rituale, in deren Zentrum die gemeinschaftliche Verehrung von Göttern standen. Ganz im Sinne der etwas angestaubten Maslow-Pyramide konnten auf diese Weise die tief eingebrannten Sicherheitsbedürfnisse und ebenso die sozialen Bedürfnisse befriedigt werden. Niemand hatte je einen dieser Götter gesehen, aber der Glaube an ihr Wirken war durch wiederholte Beobachtungen tief verwurzelt.

Aus diesen Ursprüngen entwickelten sich nach und nach Religionen, die sich insbesondere in den Lehren zu anzupreisenden Göttern unterscheiden. Aber es kam zunehmend noch ein weiterer entscheidender Aspekt dazu: Die Kontrolle der Gläubigen durch eine selbst ernannte Führungselite. Diese suggeriert, dass allein ihre Religion das Maß aller Dinge sei. Wer an andere Götter oder Heilige glaube, der könne nicht dazu gehören. Selbst Missbrauch, Ausbeutung, Bekämpfung oder Tötung von so genannten Ungläubigen wird bis in die Gegenwart hinein damit rechtfertigt.

Und für diesen eklatanten Bruch der eigenen Glaubensgrundsätze reicht dann das Führungspersonal flexibel Begründungshülsen nach. Die einst unschuldigen Religionen dieser Welt sind daher zu Machtinstrumenten mutiert. Das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit und Zusammengehörigkeit wird ausgenutzt, um letztlich für eine selbst ernannte Elite mehr Einfluss und Privilegien zu generieren. Die Chance auf ein friedliches Nebeneinander von Religionen wird permanent und zielgerichtet untergraben.

Wir alle wissen nicht, ob unsere winzige und doch so schöne Erde zufällig aus einer heißen Ursuppe entstanden ist oder aus dem Wirken eines Gottes oder gar eines Gender gemischten Götterteams. Wir können nach wie vor trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse nur vermuten. Wo ist also das Problem, wenn jeder seine Annahmen individuell anstellt und danach mit und neben anderen lebt und liebt.

Glauben heißt nicht wissen, predigen meint nicht entmündigen, bekehren heißt nicht kontrollieren. Somit gibt es absolut keine Basis für arrogantes Herabschauen auf Andersdenkende, sogar wenn selbst ernannte Glaubensfürsten religionsübergreifend das gerne anders darstellen und schnell Strafe für „Blasphemie“ einfordern. Merke: Die Vorgaben des religiösen Establishments werden regelmäßig entlarvt, wenn man auf dessen Zielmatrix schaut. Ihnen allen eine friedliche Adventszeit“.