Mitunter sind die Auskünfte der Stadtverwaltung informativ. Und wir geben den damit verbundenen Wissensgewinn gern weiter. Aber weil die Verwaltung Fehler und Versäumnisse nicht einräumen mag, fallen einige Antworten auch so aus, dass man besser lacht. Um nicht weinen zu müssen. Über Jahre nicht bepflanzte Baumscheiben und jahrzehntelang nicht entfernte Baumstümpfe sind ein Thema, bei dem die Stadtverwaltung sich lieber lächerlich macht, als die Wahrheit zu sagen. Nun, wenn das Rathaus unbedingt darauf besteht, machen wir dieses Spiel halt mit. Also:

Dieser entgegen dutzenden Ankündigungen der Stadtverwaltung der letzten acht Jahre nicht entfernte und durch Neupflanzung ersetzte Baumstumpf am Bahnübergang Brückes steht mitten in einer Grünanlage. Das sieht zwar auf den ersten (und auch auf den zweiten und dritten) Blick nicht so aus. Aber da müssen Sie halt schlechter hinsehen. Oder mehr Fantasie entwickeln. Denn auf die Frage, was mit Baumstümpfen passiert, haben wir folgende Antwort erhalten: „in der Regel werden Baumstümpfe jedes Jahr entfernt. Dies wird mittels einer Spezialmaschine, einer Stubbenfräse, durchgeführt.

Mit dieser Maschine können problemlos sehr dicke Baumstubben entfernt und, wenn eine Nachpflanzung vorgesehen ist, bis 80 cm tief gefräst werden. Diese Maschine kommt in diesem November wieder im Stadtgebiet zum Einsatz. Teils werden Baumstümpfe in Grünanlagen aus ökologischen Gründen nicht entfernt“. Also: da dieser Baustumpf über viele Jahre nicht entfernt wurde, muss er in einer Grünanlage stehen. Warum ein verfaulender Baumstumpf, den ein Schulkind umwerfen könnte, einen höheren ökologischen Wert hat, als ein nachgepflanztes Bäumchen, hat die Stadt nicht erklärt.
Und auch die sich aus dem verfaulten Zustand ergebende Gefährdung löst bei der Stadt an einer Stelle direkt neben einem Altkleidercontainer und einer Bushaltestelle, an der an normale Tagen hunderte, am Jahrmarkt zehntausende Menschen passieren, keinerlei Aktivitäten aus. Anders als auf der mittelalterlichen Wehrschanze an der historischen Stadtmauer. Dort gibt es zwar keine Passanten. Aber trotzdem ließ die Verwaltung dort hunderte Büsche und Bäume im Rahmen eines Kahlschlages komplett entfernen.
Reaktion in den städtischen Gremien: Kay Maleton (Faire Liste) protestierte. Die Grünen verteidigten den Kahlschlag (und träumen von der Anlage einer weiteren „kultivierten“ Grünanlage („Schmerz’scher Garten“). Und von Jürgen Locher (Linke), der sich vor Jahren noch mit dem Klimabeschluss des Stadtrates versuchte politisch wichtig zu machen, kam null komma nichts. Und dann wundern sich die tatsächlich an Klimaschutzarbeit interessierten Einwohner*Innen, etwa die Klimagemeinschaft, warum in Bad Kreuznach nur mikroskopisch feststellbare Fortschritte erzielt werden.
