Vorwort der Redaktion: weil die Explosion in der Mainzer Innenstadt stattfand, also außerhalb unseres Zielverbreitungsgebietes, hätten wir unter anderen Umständen nicht darüber berichtet. Aber in den wenigen Stunden zwischen der Löschung des Brandes und dem Redaktionsschluss am heutigen Montagmorgen (17.11.2025) meldeten sich vier Leser*Innen, die wissen wollten, ob Heizen mit Gas unsicher ist – oder die kriminelle Entnahme des Energieträgers vor dem Zähler häufiger vorkommt. Auch aus den Gesprächen der vergangenen Tage wissen wir:
Um so länger die Ermittlungsbehörden – möglicherweise aus ermittlungstaktischen Gründen – verschweigen, was die Explosionsursachen sind, um so mehr verselbstständigen sich die Gedanken eines Teiles der Bevölkerung. Und schaffen damit die Basis für abstruseste Überlegungen. Die große Mehrheit der bei uns aufgelaufenen Theorien unterstellt, dass eine finanziell motivierte Manipulation an einer Gasleitung bereits am Schadentag hätte festgestellt werden können. Was beim hiesigen Fall die Frage aufwirft, warum dies bis heute nicht amtlich ausgeschlossen wurde. Was das Interesse vieler Menschen an ähnlich gelagerten Fällen deutlich erhöht.
Vor neun Tagen zerstörte eine Gasexplosion ein Mehrfamilienhaus in Bosenheim. Am gestrigen Sonntagabend (16.11.2025) gegen 20:20 Uhr erlitt ein Gebäude in der Mainzer Neustadt ein ähnliches Schicksal. Wie die Mainzer Berufsfeuerwehr berichtet, kam es in der Kreyßigstraße Ecke Goethestraße zu einer Explosion mit anschließendem Wohnungsbrand. Gegen 20:20 Uhr erreichten die Feuerwehr Mainz mehrere Notrufe. Anrufer meldeten Flammen aus einer Erdgeschosswohnung sowie eine Explosion in dem fünfgeschossigen Gebäude. Sechs Personen kamen verletzt ins Krankenhaus.

Beim Eintreffen der ersten Kräfte bot sich ein hochdynamisches Schadensbild: durch die Explosion waren Teile des Eingangsbereichs eingestürzt, sodass das Gebäude zunächst nur über Drehleitern zugänglich war. Aus dem Erdgeschoss drangen weiterhin Flammen. Zwei Personen mussten über Drehleitern gerettet werden, die sich im 2. Obergeschoss an Fenstern bemerkbar machten und das Gebäude nicht mehr eigenständig verlassen konnten. Beide kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Drei weitere Personen aus dem Gebäude kamen ebenfalls mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus.
Außerdem erlitt eine Person aus dem betroffenen Gebäude einen Herzinfarkt. Die Feuerwehr leitete einen umfassenden Löschangriff mit drei Rohren ein, um die Brandherde im Erdgeschoss zu bekämpfen. Nach etwa einer Stunde war der Brand gelöscht. Zwischenzeitlich waren bis zu sechs Trupps unter Atemschutz gleichzeitig im Einsatz, die das Gebäude über mehrere Drehleitern erkundeten, Gebäudeteile kontrollierten und nach weiteren Personen suchten. Weitere Personen befanden sich bei Eintreffen der Einsatzkräfte nicht mehr im Gebäude.
Ein Baufachberater des Technischen Hilfswerks (THW) wurde hinzugezogen, um die Einsatzleitung bei der Bewertung der Gebäudestatik zu unterstützen. Zudem wurde aufgrund des umfangreichen Rettungs- und Betreuungsbedarfs eine Abschnittsleitung Gesundheit eingerichtet. Hier wurden rund 20 betroffene Personen registriert und betreut. An der Einsatzstelle sind derzeit drei komplette Löschzüge der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr, insgesamt rund 40 Einsatzfahrzeuge und etwa 110 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehren, des Rettungsdienstes, der Hilfsorganisationen sowie des THW im Einsatz.
Zur Sicherstellung des städtischen Grundschutzes wurden beide Feuerwachen der Feuerwehr Mainz durch die Freiwilligen Feuerwehren nachbesetzt. Diese kamen bei zwei Paralleleinsätzen zum Einsatz. Der Einsatz der Feuerwehr war gegen 23 Uhr beendet. Das Gebäude ist nach Begutachtung des Baufachberaters nicht einsturzgefährdet. Aufgrund der Rauchausbreitung ist das Gebäude allerdings bis auf Weiteres unbewohnbar. Der Vermieter kümmert sich um die Unterbringung der Mieter. Zur Ursache der Explosion und Höhe des Sachschadens liegen der Feuerwehr noch keine Informationen vor. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Quelle: Feuerwehr der Landeshauptstadt Mainz, Bild SWR
