Noch am 7. Oktober stimmten die Mitglieder des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr mit großer Mehrheit für einen Grundsatzbeschluss zum Bau von Hotel-Türmen neben der Kauzenburg. Fünf Wochen später, am 11. November gab es nur noch eine Jastimme und eine Enthaltung für das Projekt. Alle anderen stimmten dagegen. Eine nachvollziehbare Erklärung dieser gravierenden Änderung des Abstimmverhaltens der Kommunalpolitiker gab es in der PLUV-Sitzung am Dienstag dieser Woche (11.11.2025) von jenen, die von Zustimmung zu Ablehnung wechselten, nicht.

Stadtrat- und Ausschussmitglied Christopher Verheyen (CDU) lieferte immerhin einen Ansatz für eine Deutung. „Es ist für solche Projekte aus meiner Sicht zu wenig Zeit, diese Unterlagen reinzugeben und fünf Tage, sechs Tage, sieben Tage später darüber zu entscheiden“. Sein Vorschlag: „das sollten wir vielleicht überdenken“. In dem Sinne, erst eine Präsentation zu machen als reine Informationsveranstaltung. Danach Rückmeldungen einzusammeln. Und erst „ein Vierteljahr später zu entscheiden“. Verheyen’s Vorschlag war das Schlusswort einer Aussprache, die Mit-Investor Stefan Kessler mit einer längeren Projektvorstellung eingeleitet hatte (tourismusbeitrag-so-nicht.de berichtete bereits).
Und die mit einer deutlichen Absage an die Pläne für den Bau von Hotel-Türmen neben der Kauzenburg endete. Nur eine Jastimme von FDP-Vertreter Norbert Olk wurde schließlich im Protokoll notiert. Und 15 Nein-Stimmen aus fast allen anderen Fraktionen. Den Reigen der kritischen Wortbeiträge eröffnete Hermann Holste (Grüne). Er brachte die Sorge seiner Fraktion zum Ausdruck, dass mit dem Hotel-Neubau „weitere Baumaßnahmen rund um den Kauzenberg folgen“. Weil der Kauzenberg als Naherholungs- und Kaltluftentstehungsgebiet für die historische Neustadt fungiere, sei jedwelche zusätzliche Bebauung abzulehnen. Die entgegenstehende „Salamitaktik der Antragsteller“ sei durchschaubar.
Norbert Olk, der für die FDP im PLUV mitarbeitet, war der einzige Fürsprecher des Projektes. Er machte seine Zustimmung allerdings die der Zusage der Investoren abhängig, das Fahrstuhlprojekt als „Knackpunkt in der ganzen Denke“ anzusehen und zu realisieren. „Gerade die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit ein prägendes Argument ist, um ja zu sagen“. Stefan Kessler sicherte Olk in seiner Antwort zu: „der Aufzug ist ganz sicherer Bestandteil. Da haben Sie den Architekten falsch verstanden oder der Architekt hat mich falsch verstanden“. Kay Maleton (Faire Liste) beschränkte sich auf Ausführungen zu denkmalschutzrechtlichen Aspekten.
Das Bosenheimer Stadtratsmitglied erinnerte daran, dass „Bürger viel Arbeit, Schweiß und Geld investiert haben“, für die Denkmalzone Kauzenberg / Neustadt. Der Neubau würde zum „dominanten Blickfang, der die Stadtsilhouette unwiederbringlich zerstören würde“. Aus diesem Grund sprach sich Maleton dafür aus, „von jegliche Bebauung an dieser Stelle Abstand zu nehmen“. Jürgen Locher (Linke) widersprach der Darstellung der Investoren, mit dem Bau des Aufzuges käme die Wirtschaftlichkeit: „soviel Essen und Wein kann keiner verkaufen, um den Aufzug zu bezahlen“. Locher erinnerte an die „grottige“ Betriebsweise des Restaurants in der Vergangenheit.
Und sprach die durch den Hotel-Neubau entstehenden Verkehrsprobleme an. Um zum Schluß zu kommen: „ich lehne das Ding aus städtebaulichen Gründen ab“. Er riet festzulegen, dass der Kauzenberg nicht weiter bebaut wird. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Claudia Eider trug vor, in welcher Weise sich ihre Fraktion nach dem 7.10.2025 mit dem Thema beschäftigte. Und danach einstimmig die Entscheidung getroffen habe, „dass wir das Projekt nicht mittragen können“. Die SPD wünscht, dass künftig bei solch weitreichenden Entscheidungen und Projekten der Architektenbeirat mit an Bord geholt werde.
Jörg Fechner, der AfD-Fraktionsvorsitzende, monierte, dass „das Projekt so plötzlich kommt“. Es sei an der Öffentlichkeit vorbei geplant worden. „Ich hätte erwartet, dass man mit den Bürger spricht“. Fechner hätte sich „eine Einwohnerversammlung gewünscht, um die Sache zu besprechen“. Der AfD-Fraktionsvorsitzende bezweifelte auch die Wirtschaftlichkeit des Projektes. Diesem Argument schloss sich auch Karl-Heinz Delaveaux (FWG e.V.) an: „Denkmalschutzprojekte sind selten wirtschaftlich, anhand der Zahlen geht das nie auf“. Er brachte zum Ausdruck, dass er sich schwer tue gegen ein Projekt zu stimmen, ohne dass die Sach- und Rechtslage vorher umfassend geprüft wurde.
Das Planiger Stadtratsmitglied Gerhard Merkelbach (Faire Liste) sprach eine Befürchtung an, die in den vergangenen Wochen auch in der Bevölkerung immer wieder zu hören war: „der Fahrstuhl wird bestimmt nicht kostenlos benutzt“. Merkelbach wollte von der Verwaltung wissen, ob eine Genehmigung für die Hotel-Türme weitere Baugenehmigungen für andere Bauvorhaben auf dem Kauzenberg begünstige. Seine Frage nach der Rechtslage beantwortete Stadtbauamtsleiter Eduard Schuckmann mit der Erklärung: „der Bebauungsplan würde nur den Bereich der Kauzenburg betreffen“. Stefanie Otto (Grüne) bewertete die 450 zu Sitzungsbeginn dem OB übergebenen Unterschriften als „Vorhut“.
Darin werde die Einschätzung der Bürger*Innen zum Ausdruck gebracht. Jürgen Eitel (Freie Wähler) führte zunächst aus, dass er nur sehr schwer verstehen könne, dass Emanuel Letz am 7. Oktober für das Projekt gestimmt hatte. Und riet dem OB: „Sie hätten besser eine Bürgerversammlung vorher durchgeführt“. Denn das Stadtbild würde durch das Bauvorhaben „total verändert. Daher sagen die Freien Wähler nein zu diesem Vorhaben. Wir lehnen es in Gänze ab.“ Für Manfred Rapp war seine Erklärung im Wortlaut so wichtig, dass er den ersten Teil, in dem er die Investoren lobte, anders als bei all seinen bisherigen Wortbeiträgen in den städtischen Gremien, vom Blatt ablas.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende stellte dann fest: „Planungshoheit kann nicht auf Abnicken oder Verweigern reduziert werden.“ Und wies darauf hin, dass so ein Projekt viel Personal in der Stadtverwaltung binde, „das wir aktuell gar nicht haben“. Sein Fazit: „wir können so ein Ding gar nicht stemmen“. Ausdrücklich ging Rapp auf die von ihm bezweifelte Wirtschaftlichkeit ein. Wie schon am 7. Oktober, damals hatte sich Rapp enthalten (Alfons Sassenroth hatte als einziger CDUler mit nein gestimmt, die anderen Christdemokraten mit ja) sprach Rapp auch das Risiko der Finanzierung offen an. Auf 15 bis 20 Millionen Euro wurde der Kapitalbedarf nach seiner Wahrnehmung von den Investoren beziffert.
„Wenn wir nicht wissen im Vorfeld, ob diese ausfinanziert sind, macht es gar keinen Sinn, das frei zu geben“, führte Manfred Rapp aus. Und warf die Frage auf, ob es angesichts der bereits eröffneten und geplanten Hotels den Bedarf für ein weiteres gebe. Wilhelm Zimmerlin, der Fraktionsvorsitzende von FWG / BüFEP kam direkt zur Sache: „man muss kein Experte sein, um mit gesundem Menschenverstand zu erkennen, dass dieses monströse Projekt auf dem Kauzenberg deplatziert ist“. Wie tausende andere Bewohner*Innen der Südstadt sei er durch eine Veränderung des Stadtbildes direkt betroffen. Und lehne diese ab: „mir ist lieber, das wunderbare Panorama so zu belassen“.
Und auch an einem weiteren Umstand möchte Wilhelm Zimmerlin festhalten: „ich will, dass die Brückenhäuser das Wahrzeichen von Bad Kreuznach bleiben und nicht erschlagen werden von einem Turmbau zu was weiss ich“. Den Investoren riet Zimmerlin sich an Klaus Endemann, dem Retter des Brückenhauses mit der Schwedenkugel, als Vorbild zu orientieren: „nehmen Sie sich doch so ein Projekt vor, um sich unsterblich zu machen in der Stadt“. Neben den eingangs bereits zitierten Aussagen bezweifelte Christopher Verheyen in seinem Schlußwort, dass die Einschaltung eines „Architektenbeirates eine Lösung ist“.


