In der Ligaphase der UEFA Conference League hat der 1. FSV Mainz 05 am gestrigen Donnerstagabend (6.11.2025) im dritten Spiel den dritten Sieg eingefahren. Danach hatte es gegen die ACF Fiorentina aus der Serie A Italiens zwar lange nicht ausgesehen, doch der FSV drehte die Partie nach Pausenrückstand in einem Kraftakt sowie klarer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit dank der Tore der beiden Joker Benedict Hollerbach (68.) und Jae-sung Lee (90.+5) zum unter dem Strich nicht ganz unverdienten 2:1 (0:1). Das Zustandekommen sollte aber letztlich zweitrangig sein für den FSV, dessen Team und Publikum sich nach langer Durstrecke gesehnt hatte nach diesem Erfolgserlebnis.

Eindeutiger Matchwinner war dabei der Südkoreaner, der zuerst mit seinem Assist den Ausgleich in die Wege leitete und dann auch noch spät zum Sieg einköpfte. Für insgesamt fünf Wechsel gegenüber dem Remis gegen Bremen in der Liga hatte sich das Trainerteam entschieden. So rutschten Kacper Potulski, Danny da Costa, Sota Kawasaki, Armindo Sieb sowie Nelson Weiper für Andreas Hanche-Olsen, den erstmals geschonten Kaishu Sano, Silvan Widmer, Benedict Hollerbach und Jae-sung Lee (alle Bank) in die erste Elf. Internationales Flair war schon den ganzen Tag über in der Stadt, spätestens aber in den Stunden vor dem Anpfiff rund um die Arena zu spüren.

Abgerundet wurde das Vorspiel von einer beeindruckenden Choreo der 05er-Fans über zwei Tribünen beim Einlaufen der Mannschaften. Eine Atmosphäre, die dem Henriksen-Team zunächst einen Schub verlieh. Denn in den ersten Minuten spielte nur eine Mannschaft: der FSV. Wenngleich es dauerte, bis daraus Erwähnenswertes resultierte. Nach zehn Minuten tankte sich Paul Nebel an der rechten Grundlinie durch, flankte scharf und präzise ins Zentrum, wo Weiper per Kopf an den Ball kam, Tommaso Martinelli aus leichter Rücklage aber nicht überwinden konnte (10. Spielminute). Die 05ER waren spätestens jetzt voll da in dieser Partie und hatten keine zwei Minuten später erneut den Torschrei auf den Lippen.

Nach einem Einwurf der Gäste landete ein von Dominik Kohr abgefangener Ball bei Weiper, der auf Sieb ablegte, der entschlossen in den Strafraum stürmte, das Gehäuse aus spitzem Winkel aber knapp verfehlte (12.). Doch obwohl der Bundesligist hier klar den Ton angegeben hatte zu Beginn, waren es die abwartenden Gäste, die zum ersten Mal jubeln durften. Begünstigt wurde dieser Treffer durch einen Fehlpass da Costas im Zentrum, Nicolussi Caviglia reagierte mit einem schnellen Pass auf Roberto Piccoli, dessen Ablage zur Steilvorlage für Sohm wurde, der Robin Zentner aus 16 Metern keine Chance ließ – 0:1 aus 05-Sicht (16.).

So bitter diese Szene verlaufen war, so glücklich konnten sich die Rheinhessen schätzen, sieben Minuten später nicht den nächsten Treffer hinnehmen zu müssen. Die Fiorentina spielte einen Konter gegen in dieser Szene naiv wirkende 05ER mustergültig aus, Piccoli konnte sich freistehend eigentlich eine Ecke aussuchen, scheiterte aber aus zwölf Metern an Zentner (23.). Die Mainzer fingen sich im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs nicht mehr. Und hätten sechs Minuten vor der Pause – diesmal hatte Weiper den Ball im Mittelfeld einem Gegner in die Füße gespielt – fast das 0:2 kassiert. Dodo brach bis zur Grundlinie durch.

Er bediente Piccoli im Zentrum, dessen Direktabnahme Potulski aber noch zur Ecke klären konnte (39.). Der FSV, der den linken Flügel im ersten Durchgang komplett links hatte liegen lassen, kam erst in Minute 43 nochmal zu einer Halbchance, als ein Versuch Nadiem Amiris nach Zuspiel von Kohr von den Italienern zur Ecke geklärt werden konnte. Trotz des guten Beginns der Gastgeber konnten diese letztlich froh sein, zur Pause nur mit einem Tor im Hintertreffen zu liegen. Mit Wiederbeginn brachten die 05ER den etatmäßigen Kapitän Widmer für Phillipp Mwene. Den ersten, allerdings halbherzigen Abschluss, hatten die Gastgeber auch.

Weipers abgefälschter Ball wurde aber zur sicheren Beute für Martinelli (47.). Viel gefährlicher blieben die Italiener, die nach einem weiteren Konter erneut die Chance zur Vorentscheidung liegen ließen. Siem hatte Piccoli sauber in die Gasse geschickt, der das Leder aber aus halblinker Position nicht aufs Tor brachte (55.). Nach einer Stunde reagierte der 05-Coach dann erneut und zweifach: Für Lennard Maloney und Sieb kamen Sano sowie Lee in die Partie. Wenig später wurde es dann im Strafraum der Gäste mal wieder richtig gefährlich, als Widmer im Anschluss an einen Freistoß eigentlich völlig frei zum Schuss kam, aber ein Luftloch schlug (63.).
Kurz darauf kam Hollerbach für Nebel, um der Offensive endgültig eine neue Note zu verleihen. Der Joker holte auch gleich eine Ecke heraus, die perfekt auf dem Kopf von Weiper landete, der das Leder aber nicht aufs Tor brachte (65.). Die Wechsel sollten hier keinesfalls verpuffen, sondern sorgten für spürbare Belebung und wenig später auch für den Ausgleich, nach dem es lange nicht ausgesehen hatte. Joker Hollerbach erkämpfte sich den Ball auf außen, bediente Lee, der den Ball auf den Sturmkollegen im Strafraum zurückspielte. Hollerbach blieb aus acht Metern cool und erzielte seinen ersten Pflichtspiel-Treffer im FSV-Trikot (68.).
Mit dem inzwischen verdienten Remis ging es in die Schlussphase, in der der FSV in Minute 77 kräftig durchatmen durfte: Dodo hatte eine Flanke ins Zentrum gebracht, der eingewechselte Moise Kean setzte den Ball aber per Kopf – völlig alleingelassen – neben das Tor. Kurz darauf hatte auch Amiri Feierabend. Den Regisseur ersetzte in den letzten zehn Minuten William Böving. Auf das Remis verständigt hatten sich die Teams hier längst noch nicht. Denn auch auf der anderen Seite wurde es kurz darauf wieder ernst. Zunächst wurde ein Sano-Schuss nach schönem Solo des Japaners geblockt. Und nur Sekunden später landete ein Versuch Bövings über dem Querbalken (beides 84.).
Danach dauerte es bis tief hinein in die fünfminütige Nachspielzeit, bis die Mainzer Arena komplett eskalierte. Kurz zuvor hatte bereits Weiper den Lucky Punch auf dem Fuß gehabt, war aber am Keeper gescheitert, der gegen den mustergültigen Kopfball Lees nach Flanke von Sano machtlos war – 2:1 in der 95. Minute! Wenig später war Schluss, die Arena ein Tollhaus. Die 05ER feierten den ersten Heimsieg seit dem 4:1 gegen Trondheim im August und kommen nach drei Conference-League-Partien auf die Maximal-Ausbeute von neun Zählern. Am Sonntagabend (19:30 Uhr) ist der FSV im Rhein-Main-Duell bei Eintracht Frankfurt gefordert, wohin den FSV mehr als 4.500 Mainzer begleiten.
Text und Bilder: FSV Mainz 05
