Dieser „St. Martin“ war schon am 6.11. unterwegs: so geht Nächstenliebe

Der Sankt-Martins-Tag ist der 11. November. Aus praktischen Gründen finden die Umzüge, wie der durchs Pariser Viertel in Bad Kreuznach, bereits ab heute statt. Dabei wird den Kindern die Geschichte des Soldaten hoch zu Ross erzählt, der seinen Mantel per Schwert mit einem Bettler teilt. Für die Kinder sind die Umzüge die Attraktion. Feuer, Fackeln, Lampen, Musik und viele Menschen. Auch das Angebot von Weckmännern, Grillwürstchen und Saft mag die Veranstaltung attraktiv machen. Wer über Jahrzehnte solche Veranstaltungen besucht hat, weiß:

Der Grundgedanke der Veranstaltung, Werbung für Nächstenliebe, kommt in vielen Fällen nicht rüber und / oder an. Statt teils frei erfundene oder passend gemachte Geschichten, sollte an diesen Tagen besser ein Stück Realität berichtet werden. So wie sie sich am heutigen frühen Donnerstagmorgen (6.11.2025) am Stadtbahnhof in Bingen abgespielt hat. Gegen 2:16 Uhr meldete ein 28jähriger Eltviller Bürger der dortigen Polizeiinspektion, dass an der Bushaltestelle eine ältere Frau sitzt. Der Mitteiler mache sich Gedanken um die Frau, da es mit sechs Grad bereits sehr kalt war.

Vor Ort konnte die bereits sehr stark kältezitternde Frau durch eine unverzüglich entsandte Streife angetroffen werden. Nach Einschätzung der Beamten war die obdachlose 60jährige bereits unterkühlt. Ihr wurde durch die Beamten eine Rettungsdecke ausgehändigt. Noch während die Beamten das weitere Vorgehen mit dem ebenfalls angeforderten Rettungsdienst abklärten, erschien der Mitteiler wieder vor Ort. Er händigt der Frau im Beisein der eingesetzten Beamten eine Spende in Form eines Geldbetrags aus. Die Frau wurde durch die Polizei in das nahegelegene Heilig-Geist Hospital verbracht.

Dort wurde sie stationär aufgenommen. Auch wenn die Klinik dafür keine Kohle von der Kasse bekommen wird. So geht Nächstenliebe im Jahr 2025. Ohne Pferd. Ohne Feuer. Ohne Lampen, Weckmänner und Musik. Es wäre schön, wenn den Kindern statt der Geschichte des der Welt entrückten, mantelteilenden St. Martin, die des Mitteilers in diesem von der Polizei dankenswerter Weise dokumentierten und berichteten Fall erzählt würde. Denn mangels Pferd und Schwert kann der St. Martin von Kindern nicht nachgemacht werden. Der Mitteiler schon. Das würde die Welt besser machen. Was die St-Martins-Umzüge bisher nicht geschafft haben.

Quelle: Polizeiinspektion Bingen