Nadiem Amiri schießt den FSV Mainz 05 auf Zypern zum 1 zu 0 Sieg

3.220 Tage hatten die Fans des FSV Mainz 05 darauf gewartet: ihr Team durfte am gestrigen Donnerstagabend endlich wieder in einem europäischen Wettbewerb antreten. 1.500 Mitreisende unterstützten die Mainzer Mannschaft in Nikosia auf Zypern, um anders als in der Saison 2016/17 genug Punkte für das Überstehen der ersten Runde zu sammeln. Der Grundstein dafür wurde gelegt: der FSV startet mit einem Sieg in die UEFA Conference League. Die Rheinhessen kontrollierten das Spiel weitgehend. Auch wenn sich die Mainzer im ersten Durchgang zeitweise schwer taten. In der zweiten Halbzeit steigerte sich das von Bo Henriksen einmal mehr erstklassig eingestellte Team.

Und brachte daher die drei Punkte hochverdient mit an den Rhein. Im Vergleich zur Heimniederlage gegen den BVB hatte der Cheftrainer in Nikosia eine auf vier Positionen veränderte Aufstellung auf den Platz gebracht und dazu eine personelle Überraschung zu bieten. Für Maxim Leitsch (grippaler Infekt), Andreas Hanche-Olsen (Bank), Silvan Widmer (Bank) und Jae-sung Lee (Belastungssteuerung) begannen der erst 17-jährige Profi-Debütant Kacper Potulski, Stefan Bell, Niki Veratschnig und Arnaud Nordin. Dominik Kohr war aus privaten Gründen (er wird in diesen Tagen Vater) gar nicht erst mit nach Zypern gereist.

In ihren ersten internationalen Auftritt seit knapp neun Jahren starteten die 05ER mit einem ersten zaghaften Schussversuch von Veratschnig (2.). Die Gelegenheiten der Gastgeber hatten es deutlich mehr in sich. Zunächst rettete Robin Zentner gegen Willy Semedo aus kurzer Distanz per Fußabwehr, danach hatte Ryan Mmaee die Führung aus abseitsverdächtiger Position auf dem Fuß, zielte aber einen Meter am leeren Tor vorbei (4.). Der FSV hatte durch Nordin und Nadiem Amiri zwar weitere Abschlüsse, in der munteren Anfangsphase aber durchaus seine Probleme mit den aggressiven und schnell umschaltenden Zyprioten.

Das Team von Trainer Henning Berg stieß immer wieder in gefährliche Räume rund um den Strafraum vor. So auch beim Schuss von Ioannis Masouras, den Zentner zur Seite abwehren konnte (8.). Nach zwanzig gespielten Minuten war es eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen zwei Teams, die mit offenem Visier agierten. Bei den Rheinhessen fehlte im Spiel mit Ball noch die letzte Genauigkeit und Entschlossenheit in den Aktionen, um Torgefahr zu entwickeln. Omonia wählte aufgrund des hohen Mainzer Anlaufens oft den langen Ball, fand aber auch immer wieder den Raum zwischen der Mainzer Dreierkette und den beiden Sechsern Amiri und Kaishu Sano.

Die Partie beruhigte sich im weiteren Verlauf, Abschlüsse waren auf beiden Seiten, abgesehen von Ewandros Schuss (26.), keine mehr zu verzeichnen. Für den nächsten Aufschrei des Heimpublikums sorgte Semedo, dessen Ball knapp links am Mainzer Tor vorbeiging (33.). Die Rheinhessen taten sich bislang schwer und wären dennoch nach 35 Minuten fast in Führung gegangen. Nach einer kurz ausgeführten Ecke visierte Nordin den zweiten Pfosten, von diesem sprang der Ball vor dem einschussbereiten Bell zurück in Francis Uzohos Arme. Gegen den Ball hatten die 05ER das Spiel nun gut im Griff, vorne sorgten sie in der Phase vor der Pause für mehr Gefahr.

Phillipp Mwene verpasste nach einer Nordin-Flanke frei am zweiten Pfosten den Ball (44.). Potulskis Versuch in der Nachspielzeit wurde geblockt, der Nachschuss von Armindo Sieb ging weit über den Kasten von Omonia. Es blieb beim torlosen Unentschieden nach dem ersten Durchgang. Unverändert gingen die 05ER die zweite Halbzeit an. Beide Teams suchten direkt wieder den schnellen Weg nach vorne. Die Spielkontrolle lag nun klar bei den Gästen, die gut aus der Kabine gekommen waren und Omonia phasenweise nicht mehr aus der eigenen Hälfte ließen. Bei einem Durchbruch von Paul Nebel über rechts war gerade noch ein Abwehrbein dazwischen (54.).

Die zahlreichen Angriffsversuche brachten aber noch nichts ein. Die Gastgeber wurden nach 59 Minuten erstmals wieder gefährlich. Semedo wartete mit seinem Abschluss aber zu lange, so dass Bell noch entscheidend eingreifen konnte. Mit Ben Bobzien und Andreas Hanche-Olsen für Potulski, der ein gutes Debüt gezeigt hatte, und Veratschnig brachte Henriksen für die letzten rund 30 Minuten frische Kräfte in Abwehr und Angriff. Die Partie fand nun fast ausschließlich in der Hälfte von Nikosia statt. Aus der Ballzirkulation rund um den Strafraum der Gastgeber entwickelte der FSV aber weiterhin zu wenig Torgefahr und kam selten zum Abschluss.

Auf der Gegenseite vergab Stefan Simic bei einem der seltenen Entlastungsangriffe der Zyprer eine gute Einschussmöglichkeit (70.). Der wiedergenesene Benedict Hollerbach sollte in den letzten zwanzig Minuten die Abschlussstärke im Strafraum nochmal erhöhen. Es war aber der in den letzten Wochen auch offensiv immer stärker in Erscheinung tretende Sano, der mit einem beherzten Antritt in den Strafraum eindrang und von Saad Agouzoul nur noch per Foul zu stoppen war. Den fälligen Elfmeter verwandelte Amiri sicher in die rechte Ecke zur Mainzer Führung (75.).

Weil beim Torjubel zahlreiche Gegenstände auf die Mainzer Spieler flogen, unter anderem wurde Bobzien von einem Becher im Nacken getroffen, schickte Schiedsrichter Milos Milanovic beide Teams für eine kurze Unterbrechung vom Platz. Während sich das Geschehen abseits des Feldes wieder etwas beruhigt hatte, kontrollierten die 05ER weiterhin Ball und Gegner. Mit Lennard Maloney und Silvan Widmer für Mwene und Amiri brachten die Gäste auch die letzten Minuten ohne Gegentreffer über die Bühne und konnten nach dem Abpfiff gemeinsam mit ihren Fans den siegreichen Auftakt in der Conference League entsprechend bejubeln.

Quelle und Bilder: FSV Mainz 05