Kreis-Sportstättenbeirat setzt Laufbahn im Salinental nur auf Platz 2

In der Verwaltungsvorlage für die Sitzung des Kreis-Sportstättenbeirates am gestrigen Dienstagnachmittag (30.9.2025) sah es noch gut aus für die Sanierung der Tartanbahn im Stadion Salinental. Das rund 1,4 Millionen Euro teure Projekt war an erster Stelle der Prioritätenliste des Landkreises für 2026 aufgeführt (Beschlussvorlage BV/61/009/2025). Um so größer war die Überraschung, etwa beim Bad Kreuznacher Sportdezernenten Markus Schlosser, als Landrätin Bettina Dickes (CDU) vorschlug, die auf Platz 2 vorgeschlagene Förderung der Sanierung des Kunstrasenplatzes des TSV Hargesheim (Kosten rund 251.000 Euro) vorzuziehen.

Aus der Teilsperrung könnte schon im kommenden Frühjahr eine Vollsperrung werden, wenn ein harter Winter der Laufbahn im Stadion Salinental weiter zusetzt.

Als Begründung für den Prioritätenwechsel trug Dickes vor, mit dem Hargesheimer Kleinprojekt auf Platz 1 steige die Chance, beide Vorhaben vom Land gefördert zu bekommen. Würden die rund 700.000 Euro Zuschussforderungen für die Erneuerung der Laufbahn im Salinental, wie ursprünglich vorgeschlagen, Priorität erhalten, käme Hargesheim wohl nicht zum Zuge. Wieso die Landrätin in der Beschlussvorlage entgegen dieser von ihr gestern mündlich vorgetragenen Überlegung noch am 5.9.2025 schriftlich vorgeschlagenen hatte, die Tartanbahn ganz nach vorn zu setzen, erklärte sie nicht. Widerspruch gegen die Dickes-Variante kam neben Markus Schlosser auch von Martina Hassel (SPD).

In der Beschlussvorlage stand die neue Tartanbahn im Stadion Salinental noch auf Platz 1. Und hatte damit eine echte Realisierungschance. Auf Vorschlag von Landrätin Bettina Dickes erfolgte eine Rückstufung auf Platz 2.

Die frühere Bürgermeisterin und Sportdezernentin der Stadt argumentierte mit ihrer Erfahrung der Mainzer Arbeitsweise. Dort würden zunächst alle Einser-Prioritäten betrachtet, für die in der Summe ohnehin nicht genug Geld vorhanden sei. Und dann aus dieser Liste die entscheidende Auswahl getroffen. Daher bestehe die grosse Gefahr, dass die neue Tartanbahn nicht gebaut werde, weil der dazu zwingend nötige Zuschuss vom Land nicht komme. Mirko Helmut Kohl (CDU) wies seine Ausschusskolleginnen darauf hin, dass das Stadion Salinental im Gegensatz zum Hargesheiemr Kunstrasenplatz von einer grossen Zahl von Kreisbürger*Innen genutzt wird.

Sowohl von den Schüler*Innen mehrere weiterführender Schulen in Trägerschaft des Kreises, die dort ihren Schulsport absolvieren. Als auch von Freizeitsportlern, die in Vereinen organisiert sind. Und von Sportsfreunden, die rein privat die „wunderschöne Sportanlage“ im Salinental nutzten. Auch Kohl sieht das erhebliche Risiko, dass durch eine Rückstufung der Tartanbahn auf Platz 2 der Prioritätenliste wegen der Finanzprobleme des Landes keine Förderung für das Stadion erfolgt. Und die Lauffreunde damit leer ausgehen. Trotzdem entschied die Ausschussmehrheit, darunter auch mindestens zwei Bad Kreuznacher Kommunalpolitiker der CDU, gegen die Laufbahn.

Und mit sieben zu fünf Stimmen für den Hargesheimer Kunstrasen auf Platz 1. Damit droht der Tartanbahn im Salinental tatsächlich ein faktisches Auslaufen. Sanierungsbedürftig ist sie schon seit Jahren. Weshalb Teilabschnitte bereits gesperrt werden mussten. Schon vor einem Jahr hatte der Gutachter wegen akuter Verletzungsgefahr für die Läufer*Innen den Daumen gesenkt. Kommt es wegen der Rückstufung in der Prioritätenliste des Kreises nicht zur Sanierung im kommenden Jahr, führt das nicht nur zu einer Verschiebung um 12 Monate. Sondern zum endgültigen Aus für das Projekt. Denn für 2027 hat der MTV Bad Kreuznach bereits den Bau einer 2-Feldhalle für rund 2,4 Millionen Euro angemeldet.

Ein Vorhaben, das auch in den städtischen Gremien weitaus mehr Unterstützung erhalten wird, als die ohnehin vernachlässigte Leichtathletik. Dann werden die ohnehin gegen die Maßnahme im Salinental sprechenden Argumente (Hochwassergefahr, Wettkampfuntauglichkeit der Bahn auch nach Neubau usw) starken Auftrieb erhalten. Insbesondere der letztgenannte Punkt dürfte dazu führen, dass die gemäß Verwaltungsvorschrift „Sportanlagen-Förderung“ nachzuweisende „sportfachliche Notwendigkeit“ stark in Zweifel gezogen wird. Zumal die Laufbahn im Moebus-Stadion in ähnlich schlechten Zustand ist. Aber wettkampftauglich. Und mit Flutlicht ausgestattet.