Mit einem Rundgang durch die Bad Kreuznacher Innenstadt erkundeten Teilnehmende Möglichkeiten der Begrünung als Beitrag zu Klimaanpassung und -schutz. Eingeladen hatte die AG „Mehr Grün in der Stadt“, eine Gruppe von ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern in der Klimagemeinschaft Bad Kreuznach und im Regionalbündnis Soonwald-Nahe (Projekt Schwammregion). Gewünscht wird eine Umsetzung und Mitgestaltung von Maßnahmen der Klimaanpassung, für die die Stadt KIPKI-Fördermittel über 376.000 Euro vom Land bewilligt bekam und die zeitnah ausgegeben werden müssen.

Die Zahl der Hitzetage, wenn die Temperatur auf über 30°C steigt, ist im Kreis Bad Kreuznach von früher etwa fünf pro Jahr auf aktuell über 12 gestiegen. Tendenz steigend. Pflanzen sorgen für Schatten und durch die Verdunstung von Wasser für Kühlung. Wer durch die Innenstadt geht, sieht viele Möglichkeiten für Begrünungen auf Plätzen und an Straßen, mancherorts für Entsiegelungen und die Möglichkeit zur Nutzung von Regenwasser in dem noch freizulegenden Boden. Die Kommunen stellen sich zunehmend der Aufgabe, angesichts zunehmender Hitze und starker Regengüsse Wasser zu speichern und für Anpflanzungen zu verwenden.

Ein offener Spaziergang der Arbeitsgruppe „Mehr Grün in der Stadt“ am 18. September 2025 machte deutlich, dass auch Bürgerinnen und Bürger mit Vorschlägen beitragen und aktiv werden wollen. Über zwanzig Mitspazierende folgten der Einladung der Klimagemeinschaft Bad Kreuznach und des Regionalbündnisses Soonwald-Nahe. Das Regionalbündnis empfiehlt, das Projekt „Schwammregion Soonwald-Nahe“ auch in die Stadt auszuweiten. Los ging es am Kornmarkt. Dort soll das Rathaus begrünt werden.

Weiterhin wurde vorgeschlagen, überrankte, schattige Ecken sowie flache Wasserrinnen auf dem Platz zu schaffen, die bei großer Hitze mit Wasser gespeist werden können. Auch eine Umrankung des zentralen Brunnenplatzes konnten die Teilnehmer sich vorstellen, damit sich Menschen bei Hitze überhaupt am Brunnen aufhalten können. In der Mannheimer Straße betrachtete man Chancen für Fassadenbegrünung, stellte sich Rankseile quer über der Fußgängerstraße vor, wo jetzt schon bunte Lampionkugeln hängen, und schlug Entsiegelungen zwischen Baumscheiben vor oder das Aufstellen weiterer Baumkübel in Seitenstraßen.
Auch am Salinenplatz möchte man die heiße Zone an der Fußgängerampel mit Rankgestellen und Baumpflanzungen mit hitzeresistenten einheimischen Gehölzen herunterkühlen und die Luftqualität verbessern. Ideen kamen zu einer Rundbank mit floralem Dach am Baum nahe der Ampel, eine Bepflanzung im stillgelegten Salinenbrunnen oder wenigstens Pflanzkübel in Fortsetzung des Brunnens. Weitere einfache Begrünungen ohne große Bodenentsiegelungen und Sanierungen wurden am Europaplatz vorgeschlagen, sei es ein „Schattentunnel“ aus aufgestellten Pergolen vom Bahnhofsausgang über den heißen und wenig einladenden Platz in Richtung Bushaltestellen.
Sei es eine Fassadenbegrünung an der Betonwand der tiefen Parkfläche oder ein Bepflanzungswettbewerb für Gärtnereien oder andere Geschäftsleute für den verwaisten und maroden Brunnen. Vorgeschlagen wurden auch überdachte „Rank-Bänke“ an Bushaltestellen oder feuchtigkeitshaltende Bodendecker an Baumscheiben. Ideen für Baumscheiben und ihre Pflege, für Bänke und eine bessere Nutzung des Regenwassers kamen immer wieder zur Sprache. Sie wurden auch beim Gang über den Neuruppiner Platz, wo es auch an mehr Regenwasserzuführung zu den Baumscheiben mangelt, vermerkt. Und beim Bourger Platz wurde am Ende des Rundgangs der Brunnenplatz mit seinem zurzeit isolierten Brunnen zur Diskussion gestellt.
Parkplätze müssten wegfallen um Platz für einen attraktiven Zugang zum Brunnen und für Bänke zu schaffen. Vorgeschlagen wurden eine schattengebende grüne Wand mittels Pflanzen-Gabionen, das Pflanzen von Bäumen (wegen der Tiefgarage eher in Kübeln) und von Sträuchern. Die bei Sommersonne heiße Buswartebank am Ärzte- und Dienstleistungsgebäude verträgt eine rasch umsetzbare Rankhaube oder andere Schattenspende. Oder kann die Haltestelle wieder an die Wilhelmstraße, wie einmal geplant? Diese beispielhaften und weitere Vorschläge und Anregungen, die auch bei einer Bürgerveranstaltung der Initiatoren zur klimafitten Innenstadtentwicklung mit Raumplanerinnen von der Technischen Uni in Kaiserslautern im Juni gesammelt wurden, werden der Stadt zur Prüfung übergeben.
Zwei Tage nach dem Rundgang wurden beim Parking Day in der Hospitalgasse von der AG weitere originelle Ideen gesammelt. Passanten schlugen eine insektenfreundliche Begrünung auch auf Dächern, ein Kräutergärtchen, Wasserspiele und -vernebelung und vieles mehr vor. Viele Mitspazierende waren interessiert, bei der Umsetzung mit Hand anzulegen Baumscheiben, Gärtchen und Neupflanzungen sollen durch Gießpatenschaften, Müllbeseitigung und Pflege durch Bürger, Anwohner und Anlieger unterstützt werden.
Auch wurde ein Wettbewerb vorgeschlagen, an dem Hauseigentümer und Ladenbesitzer teilnehmen können. Wer legt vor seinem Haus oder Geschäft einen besonders schönen kleinen Minigarten oder grünes Bodenstück durch entsiegelndes „Abpflastern“ an? Mit Gewerbetreibenden und Gebäudeeigentümern will die nun weiter gewachsene AG „Mehr Grün in der Stadt“ Kontakte vertiefen und neue knüpfen. Da die Zeit eilt, um bewilligte Fördermittel des Landes (KIPKI) für Pflanzungen, Entsiegelungen, Zisternen und andere Klimaanpassungs- und -schutzmaßnahmen durch die Stadt und Bürger- oder Nachbarschaftsgruppen nutzen zu können, müssen Abstimmungen mit der Stadt rasch geschehen.
Grünes Licht brauchen die aktiven, unterstützungsbereiten Initiativen aus der Stadtgesellschaft. Für dieses Ziel wird es bereits am 6. Oktober im Stadtviertel bei der Crucenia-Realschule einen nächsten Klimaspaziergang der Nachbarschaftsinitiative Schild.Hood geben. Spaziergänge in weiteren Stadtteilen sollen folgen. Bei Interesse kann man sich melden bei der AG Mehr Grün in der Stadt, c/o NAHeRAUM Citykirche (Mannheimer Str. 82), helhafemann@web.de oder N.Weissmann@web.de
Mannheimer Str. Ecke Kreuzstr., Unterschrift: „An der Ecke Kreuzstraße könnte man ein grünes Kreuz von Ranken über die Kreuzung spannen, ein grünes Kreuz in Bad Kreuznach“, war ein Vorschlag beim Klimaspaziergang in der Mannheimer Straße“
Vor dem Bahnhof: „Warum nutzt man nicht das Wasser vom Dach des Bahnhofs für Bäume, Sträucher und mehr grüne Flächen?“, wurde von einer Teilnehmerin vorgeschlagen.“
Am Salinenplatz: „Wo könnte ein Rankendach über dem heißen Platz befestigt werden?“, diskutierten die Klimaspaziergänger am Salinenplatz.
Text und Bilder: Helmut Hafemann

