Susanne Grünewald (Grüne): „ich will nicht schieben“

Am Felseneck zwischen Bad Münster und Bad Kreuznach gibt es eine bundesweite Besonderheit. Ein kleines Refugium der Würfelnatter. Die kommt in ganz Deutschland nur noch an zwei anderen Standorten vor. Und steht daher als vom Aussterben bedrohte Art auf der Roten Liste. Die Würfelnatter gehört daher zu den streng geschützten Arten nach § 7 des Bundesnaturschutzgesetzes. Im Bereich des Felsenecks leben die Tiere im Sommer direkt am Naheufer. Und im Winter in der von der Sonne aufgewärmten Felswand oberhalb des Rad- und Wanderweges.

Seit 2020 werden Radfahrer deutlich auf den Tierschutz hingewiesen – die wenigsten beachten die Schilder.

Im Frühjahr und im Herbst, wenn die Nattern ihr Habitat wechseln, werden vor allem die RadfahrerInnen für die Tiere zur tödlichen Bedrohung. Weil ein Teil der Radler rücksichtslos durchbrettert und dabei vor allem den Nattern-Nachwuchs totquetscht. Daher wurde in diesem Bereich von der Stadt ein Radfahrverbot ausgeschildert. Leider missachten unzählige RadfahrerInnen dieses Verbot, weshalb auch mechanische Barrieren eingesetzt werden. In der Sitzung des Planungsauschusses am vergangenen Dienstag (23.9.2025) monierte Björn Wilde (SPD), dass diese Sperren aus seiner Sicht zu früh wieder geöffnet wurden.

Die kleinen Würfelnattern sind so winzig, dass man sie hoch oben vom Rad kaum von einem Blatt oder einem Vogelschiss unterscheiden kann. Zumal kein Fahrradfahrer bei den dort gefahrenen Geschwindigkeiten zum rechtzeitigen Ausweichen in der Lage wäre. Weshalb die Forderung abzusteigen die einzige tierschützende Lösung ist.

Wilde, selbst ein leidenschaftlicher Radler, brachte zum Ausdruck, dass er kein Verständnis für Zweiradfreunde hat, die nicht absteigen und Würfelnattern totfahren. Widerspruch bekam Björn Wilde von Susanne Grünewald (Grüne), die Wilde schon während dessen Ausführungen ins Wort fiel. Nach dieser ihrer ersten Kritik an den Wilde-Ausführungen wurde sie von ihrem Ausschuß- und Parteikollegen Hermann Holste noch erfolgreich gebremst. Als Wilde sich dann erneut für eine Rad-Sperre aussprach, brach es aus Grünewald heraus: „ich will nicht schieben, ich möchte fahren“.

Die Härte und Vehemenz, mit der sich die Grüne gegen Tierschutz und rechtliche Naturschutzvorgaben aussprach, nur um ihr Rad nicht ein paar Meter schieben zu müssen, überraschte in der PLUV-Sitzung Zuhörer*Innen wie Ausschussmitglieder. Hermann Holste, der seit Jahren ein glaubwürdiger Sprecher für mehr Radverkehr ist, weil er die auch für diesen geltenden Regeln voll anerkennt und für deren Einhaltung engagiert wirbt, wäre erkennbar am Liebsten unter dem Sitzungstisch verschwunden.

Susanne Grünewald ist laut ihren Angaben auf der Stadtseite bad-kreuznach.de beruflich als Dipl.-Ing. FH Landespflege mit der Funktion SB Ökologie tätig. Kommentar einer Zuhörerin: „Leider war niemand von PETA anwesend. Die würden der Dame das schon erklären, um was es geht“. Hans Sifft vom Stadtbauamt informierte über die beiden jährlichen Würfelnatter-Schutzphasen. Und Björn Wilde erhielt vom sitzungsleitenden Oberbürgermeister die Zusage: „wir nehmen das auf“.