Der Verkehrsverein Bad Münster verliert seinen Kopf: Stefan Köhl tritt zurück

Kritik an der Obrigkeit ist ein gut dokumentierter gesellschaftlicher Handlungsstrang, der sich über Jahrhunderte durch das Mittelalter wie ein roter Faden zieht. Insofern war es gar nicht unpassend, dass Stefan Köhl bei der Eröffnung des 37. Ebernburger Marktes am vergangenen Freitag (19.9.2025) deutliche Worte wählte. Und den Rücktritt von seinen Ehrenämtern im Bereich der Stadt Bad Kreuznach ankündigte. Dabei handelte es sich nicht um eine spontane, sondern eine bedachte Reaktion auf in seiner Sicht schon längere Zeit bestehende Missstände. Eine am Freitagmorgen sich ergebende Eskalation habe dann dazu geführt, dass er seine Entscheidung bereits auf dem Ebernburger Markt öffentlich machte.

Im vergangenen Jahr kein Thema, in diesem Jahr Zankapfel: Kassenhäuschen (rechts) und Dekohäuschen (links)

Und nicht erst, wie ursprünglich geplant, danach. Das erklärte Stefan Köhl der tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion auf Anfrage. Als konkreten Auslöser für seine öffentliche Erklärung am Freitagnachmittag gab Köhl die bei einem Kontrollgang des städtischen Ordnungsamtes getroffenen und ihm am Morgen um 7:32 Uhr per SMS von Ordnungsdezernent Markus Schlosser mitgeteilten Ergebnisse an. Demnach drohte wegen einer „Falschaufstellung“ von zwei Hütten und einem Toilettenwagen die Absage des Marktes wenige Stunden vor der Eröffnung. Nur wegen dieser existenziellen Bedrohung für die Veranstaltung habe er den vom Ordnungsamt verlangten Veränderungen zugestimmt.

Mit der geballten Faust in der Tasche, wie Stefan Köhl bei der Eröffnungszeremonie Stunden später als Herold in eigener Sache verkündete. Samt der Ankündigung der Rücktritte vom Vorsitz im Bad Münsterer Verkehrsverein, dem Ortsbeirat des Stadtteils, der gemeinnützigen KULT GmbH, der Stiftung Rheingrafenstein und allen anderen Ehrenämtern im Bereich des Bad Kreuznacher Stadtgebietes. Diesen drastischen Schritt nach über 35jährigem ehrenamtlichen Engagement begründete Stefan Köhl am Wochenende auf Anfrage mit Überlegungen, die er im Sommer aufgrund einer glücklicherweise überwundenen Erkrankung angestellt habe: „welche Belastungen möchte ich mir und meiner Familie in Zukunft noch zumuten?“.

Bei der Beantwortung der selbstgestellten Frage habe er festgestellt, dass ihn sein ehrenamtliches Engagement in und für Bad Kreuznach zeitlich und mental sehr negativ belastet, „während mir mein Engagement bei der Deutschen Burgenvereinigung trotz vielfältiger Aufgaben sehr viel Freude bereitet“. Insbesondere die Tätigkeit als ehrenamtlicher Vorsitzender des Verkehrsvereins Rheingrafenstein e.V. habe er trotz der außerordentlich angenehmen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den Vorstandskollegen und Mitarbeiterinnen immer stärker als schwere Belastung empfunden. Besonders belastend diesbezüglich in Stefan Köhls Wahrnehmung:

Die „unfassbaren Streitigkeiten mit dem Ordnungsamt Bad Kreuznach um den Markt Ebernburg“. Diese hätten „seit letztem Jahr vor allem emotional tiefe Spuren hinterlassen“ und sein Vertrauen in eine seriöse Stadtverwaltung zutiefst erschüttert. Ausdrücklich nimmt Köhl von diesem Vorwurf sowohl Obernbürgermeister Letz als auch Bürgermeister Blechschmidt aus, die sich bei Problemen stets um Lösungen bemüht hätten. Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit eines „schlüssigen und gesetzeskonformen Sicherheitskonzeptes“ für den Ebernburger Markt werde weder von ihm noch den anderen Verantwortlichen bestritten. Aber die Arbeitsweise des Ordnungsamtes mache „fassungslos und wütend“.

So seien von einem Ordnungsamtsmitarbeiter die Vorgaben der gesetzausführenden Landesregierung und sogar die Schreiben des vom Verkehrsverein um Klarstellung gebetenen Innenministeriums, die die Rechtsauffassung der Bad Münsterer voll bestätigen, ignoriert bzw. sogar negiert worden. Neben dem Ärger mit dem Ordnungsamt haben die „ständigen unsachlichen und ausfallenden Anfeindungen und Beleidigungen einzelner Personen gegen den Verein“ und seine Person Köhl zu dem Entschluss geführt, sich diesen Belastungen im Sinne seiner Gesundheit und Familie nicht mehr aussetzen zu wollen. Diese Entscheidung hat Stefan Köhl bereits Mitte August dem Verkehrsvereinsvorstand mitgeteilt.

Die Vorstandskollegen und Mitarbeiterinnen hätten dies bedauert, aber vollstes Verständnis für Köhls Entscheidung gehabt. Und die Bitte, wenigstens bis zum Mittelaltermarkt den Vorsitz weiterzuführen. Dem Wunsch kam Köhl auch nach. Bis das Ärger- und Enttäuschungsfass am vergangenen Freitagmorgen überlief. Die Ereignisse am Morgen des ersten Markttages und die dramatischen Berichte seiner Vorstandskollegen (Köhl selbst war nicht vor Ort) hätten ihn dann dazu bewogen, seine Entscheidung öffentlich zu machen. „Einerseits, um meinen Protest gegen die unsägliche Behandlung von Ehrenamtlichen kundzutun“.

Und andererseits um klarzustellen, „dass Vieles, was zu Recht bei dem Markt von Besuchern und Standbetreibern bemängelt wurde, nicht von unserem Verein zu verantworten ist“. „Tief beeindruckt“ zeigt sich Stefan Köhl „von den zahllosen positiven, zustimmenden Reaktionen auf meine Ausführungen, die ich in dieser großen Anzahl und Intensität nicht erwartet hätte. Immer wieder wurde mir von langjährigen Besuchern des Marktes deren Eindruck geschildert, dass es überaus auffällig sei, wie seit der Fusion mit Bad Kreuznach der einst großartige Markt immer mehr an Attraktivität verloren habe und immer wieder wurde ich dafür gelobt, endlich das auszusprechen, was viele denken“.

Ordnungsdezernent Markus Schlosser kann die Kritik an der Arbeitsweise seiner Mitarbeiter*Innen nicht nachvollziehen. Auf Anfrage der tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion erklärt Schlosser, dass zunächst zu unterscheiden sei zwischen dem Sicherheitskonzept für den Ebernburger Markt (das allein vom Veranstalter zu liefern und umzusetzen sei) und dem Zufahrtskonzept, für das allein die Stadt in der Verantwortung stehe. Bezüglich der mit diesem Zufahrtsschutz verbundenen Auflagen und Regelungen habe es am 2.9.2025 einen Ortstermin gegeben, in dem zwei Vertreter*Innen des Verkehrsvereines die aus Sicherheitsgründen nötigen Auflagen sehr konkret mitgeteilt wurden.

In diesem Gespräch wurde laut Schlosser auch der Sinn einer acht bis zehn Meter tiefen, menschenansammlungsfreien Schutzzone im Anschluss an die mechanischen Durchfahrtssperren erläutert. Wodurch sich das Zurücksetzen der Kassenhäuschen und des Toilettenwagens begründet. Die nicht mit Personal besetzten und rein zu Dekozwecken vorgesehenen kleinen Hütten hätten im Eingangsbereich nicht stehen dürfen, um das Durchfahrtsverbot nicht optisch und räumlich zu behindern. Laut Schlosser wäre die einfachste Lösung die gewesen, das Eingangstor samt Deko-Hütten zu den Kassenhäuschen zurück in den Veranstaltungsbereich hinein zu versetzen: „diese Entscheidung stand allein in der Zuständigkeit des Veranstalters“.

Auch ein Thema beim Ortstermin Anfang September: der Ersatz des Toilettenwagens durch Dixi-WCs, die auf dem Privatgrundstück neben dem Eingangsbereich hätten aufgestellt werden können. Alternativ wäre auch die Platzierung des mobilen WCs auch in einem Winzerhof oder einer Seitengasse in Frage gekommen. Bezüglich des Sicherheitskonzeptes habe das Ordnungsamt bewusst unbürokratisch gehandelt. Dieses sei nach wochenlangen Vorgesprächen erst rund eine Woche vor Veranstaltungsbeginn eingereicht und unverzüglich genehmigt worden. Die inhaltliche Ausgestaltung des Sicherheitskonzeptes sei allein Sache der jeweiligen Veranstalters.

Wenn die Stadt Genehmigungsbehörde sei, dürfe sie daran nicht beratend mitwirken, so Markus Schlosser. Bereits im Vorjahr habe das Ordnungsamt den Veranstalter auf Defizite hingewiesen. Trotzdem sei in diesem Jahr zunächst das selbe Konzept wie 2024 vorgelegt worden. Etwa die von der Landesebene vorgegebenen Angaben zum Umgang mit Starkregenereignissen (aufgrund der Hanglage des Veranstaltungsgeländes in Ebernburg unzweifelhaft einschlägig) seien schlicht weggelassen worden mit der Begründung, diese habe es in den letzten 36 Jahren beim Mittelaltermarkt nicht gegeben und seien daher unwahrscheinlich (weitere Berichte folgen).