Die Mitgereisten und die Fans am Bildschirm hatten am gestrigen Samstagnachmittag (20.9.2025) ein Déjà-vu. Wie vor genau einem Jahr spielten die Mainzer in Augsburg. Wieder fielen fünf Tore. Und erneut gewann der FSV. Allerdings wesentlich souveräner. Und so gelang nach einer Glanzleistung ein auch in der Höhe hochverdienter 4:1 (2:0)-Erfolg beim FC Augsburg. Wie 2024 war es der erste Dreier in der laufenden Bundesliga-Saison. Auf die Siegerstraße brachten den FSV schon vor der Pause Kaishu Sanso (14.) und Dominik Kohr (26.), der allerdings kurz nach der Pause (53.) Gelb-Rot sah. Doch auch in Unterzahl dominierten die Gäste die Begegnung.

Und schraubten das Ergebnis dank der Treffer von Paul Nebel (60.) und Armindo Sieb (69.) in die Höhe. Samuel Essendes Treffer (83.) für die Augsburger bedeutete nur noch Ergebniskosmetik. Drei Veränderungen hatte Trainer Bo Henriksen gegenüber dem Duell mit Leipzig eine Woche zuvor vorgenommen: Andreas Hanche-Olsen begann für Stefan Bell, Nebel kehrte nach seiner Rot-Sperre zurück und verdrängte William Bøving, während im Zentrum Sieb den Vorzug vor Nelly Weiper erhielt. Die Begegnung war in den Anfangsminuten von vielen Zweikämpfen und hoher Intensität geprägt, wobei der FSV optisch überlegen wirkte. Und die Gäste sollten auch die erste Chance haben.

Nach einem ins Zentrum verlängerten Einwurf Anthony Cacis kam Phillipp Mwene zum Abschluss, wurde aber vor dem Tor geblockt (6. Minute). Die defensiv zunächst sehr stabil agierenden Rheinhessen zeigten einen richtig reifen Auftritt, so dass die frühe Führung nicht unverdient war. Sano erlief einen Augsburger Fehlpass im Aufbau, dribbelte zielstrebig durchs Zentrum, bevor er aus 17 Metern mit seinem schwächeren linken Fuß abzog, Finn Dahmen überraschte und sein umjubeltes Debüt-Tor markierte – 1:0 aus 05-Sicht (14.). Die etwas lethargisch auftretenden und immer wieder unkonzentriert wirkenden Gastgeber kamen erst sechs Minuten später zu ihrem ersten Schuss.

Es sollte der einzige aufs Tor von Robin Zentner in Durchgang eins bleiben. In dieser Szene hatte Han-Noah Massengo Alexis Claude-Maurice mit einem Lupfer bedient, der Angreifer nahm den Ball sehenswert per Fallrückzieher. Doch die Mainzer Nummer eins klärte zur Ecke. Die 05ER ihrerseits präsentierten sich weiter hocheffizient in ihren Aktionen: Kohr, der zuvor seine 100. Gelbe Karte im Oberhaus gesehen hatte, erkämpfte sich das Leder tief in der Augsburger Hälfte, ließ Cedric Zesiger im Strafraum stehen und überwand Dahmen mit einem Beinschuss aus 14 Metern zum zweiten Mal (26.). Nur drei Minuten später hätte Sieb, der auffällig agierte und dem FCA immer wieder Probleme bereitete, schon beinahe für so etwas wie eine Vorentscheidung sorgen können.
Ähnlich wie Kohr kurz zuvor profitierte er dabei von einer Augsburger Nachlässigkeit im Spielaufbau, steuerte allein auf Dahmen zu, wollte es mit seinem Schlenzer aber zu genau machen und verfehlte das Tor um rund einen halben Meter (29.). Danach tat sich nicht mehr allzu viel, abgesehen von der zweiten ordentlichen Chance für Claude Maurice in der 36. Minute, dessen Versuch aus halblinker Position aber am rechten Pfosten vorbeirauschte (36.). Die Mainzer, die durchaus höher hätten führen können, hatten in der Folge keine Mühe, die verdiente Führung in die Halbzeitpause mitzunehmen.
Darauf, dass das Team von Sandro Wagner noch einmal weitere 45 Minuten in diesem Stil absolvieren würde, durfte sich aber niemand verlassen. Und der unzufriedene Wagner reagierte und brachte mit Wiederbeginn gleich vier frische Kräfte, während der FSV in gleicher Formation zurückkehrte. Ein Weckruf für die Augsburger, die in der Folge durchaus aktiver agierten, allerdings ohne nennenswerte Lücken in der Mainzer Defensive aufzutun. Die erste Chance sollten wieder die Gäste haben, die in Minute 52 abermals von einer hohen Balleroberung profitierten. Nadiem Amiri legte auf für Arnaud Nordin, der den Ball aus 15 Metern aber nicht aufs Tor brachte.
Eine Minute später dann ein Schockmoment für die Mainzer. Massengo kam mit Tempo durchs Zentrum Richtung 05-Strafraum, wurde von Amiri am Trikot gezupft, so dass der Augsburger ins Straucheln kam und mit Kohr zusammenrasselte, der dafür wenig konnte. Dies änderte nichts an der Entscheidung Daniel Schlagers, dem Mainzer Torschützen zum 2:0 Gelb-Rot zu zeigen – bitter für Kohr und den FSV (53.). Henriksen reagierte umgehend und brachte Bell für Nordin. Doch während man nun durchaus eine Zitterpartie befürchten durfte, ließen die Mainzer nicht nach. Selten kam überhaupt das Gefühl auf, dass die Gastgeber einen Mann mehr auf dem Platz hatten.
Die Vorentscheidung ließ so auch nicht lange auf sich warten: Der wieder einmal glänzend aufgelegte Sano startete nach einer Stunde zum Solo über den rechten Flügel, passte perfekt ins Zentrum auf den mitgelaufenen Nebel, der nur noch einschieben musste (60.). Zittern musste der FSV zwar drei Minuten später nochmal. Doch auf Zentner war wie üblich Verlass. Zunächst landete ein Kopfball von Fabian Rieder nach einer Ecke am Querbalken, bevor Essende aus fünf Metern zum Rebound ansetzte, aber an einem Weltklasse-Reflex des 05-Keepers scheiterte (63.). Spätestens jetzt war den Augsburgern der Zahn gezogen, zumal Sieb in Minute 69 Treffer Nummer vier nachlegte.
Er profitierte dabei von einem fantastischem Zusammenspiel von Amiri und Sano. Der Japaner legte den Ball von der Grundlinie zurück, der Angreifer zog humorlos ab, Dahmen war chancenlos – 4:0! Sieb hätte in Minute 76 und 77 sogar noch den Doppelpack schnüren können, bevor er in Minute 80 in den verdienten Feierabend verabschiedet und von Weiper ersetzt wurde. Gleichzeitig kamen auch Silvan Widmer und Maxim Leitsch für Mwene und Hanche-Olsen, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Zwar gelang Essende wenig später nach einer Ecke der Ehrentreffer, reifer präsentierte sich dennoch auch in dieser Schlussphase der FSV, dessen klare Führung Ergebnis eines klasse Auftritts des gesamten Teams war.
Zu Beginn der achtminütigen Nachspielzeit hätten die 05ER gar wieder den alten Abstand herstellen können, doch Widmers Querpass im FCA-Strafraum erreichte Weiper letztlich nicht. Auf der gegenüberliegenden Seite musste Zentner dann noch einmal bei einem Versuch von Philip Tietz zupacken, wirklich brenzlig war aber auch diese Szene nicht. Dank des 4:1-Ausrufezeichens haben die Mainzer nach vier Spieltagen ebenso viele Zähler auf dem Konto und treffen am kommenden Samstagnachmittag in der MEWA ARENA auf Borussia Dortmund. Im Anschluss wartet die erste Englische Woche des Herbsts mit der Reise nach Nikosia (2. Oktober) und dem Auswärtsspiel beim HSV drei Tage später (5. Oktober).
Quelle und Bilder: FSV Mainz 05
