Die Winzenheimer Kirmes ist eine Institution. Sie wird länger gefeiert, als etwa der Bad Kreuznacher Jahrmarkt. In diesem Jahr soll sie vom 19. bis zum 22. September stattfinden. Doch seit dem gestrigen Dienstagmittag (26.8.2025) ist höchst fraglich, ob es dazu kommt. Denn es droht der Verlust des Veranstaltungsortes. Der befindet sich seit Jahrzehnten auf dem Scheunenplatz und in dem namensgebenden Gebäude. Das wurde 1924 als Holzkonstruktion errichtet, kam später in den Besitz der Stadt und wurde in der Folgezeit immer mal wieder saniert. Vor 25 Jahren gründete sich der Historische Verein zu Winzenheim e. V., der das Gebäude anmietete und unterhält.

Am Montag dieser Woche wurden an der westlichen Stirnwand des Gebäudes vom Verein beauftragte Ausbesserungsarbeiten an der Fassade begonnen. Zu diesem Zweck schlug der Handwerksbetrieb lockere Putzteile der Fassade ab. Was darunter zum Vorschein kam, führte zum sofortigen Ende der Arbeiten und der Einschaltung der Stadtverwaltung durch den Vereinsvorsitzenden Paul Kaiser: total zerfallene Holzbalken, die mangels Substanz ihre Aufgabe, die Fassade zu tragen, kaum noch erfüllen können. Das Bauamt der Stadtverwaltung griff sofort ein. Der Zugang zur Scheune wurde noch am gestrigen Mittag gesperrt. Und vor der Schadstelle eine Absperrung errichtet.

Der vom Stadtbauamt alarmierte Ortsvorsteher Mirko Helmut Kohl übernahm die Information der betroffenen Vereine. Trotz des Schocks über den schlechten Bauzustand des Gebäudes, zeigte sich Kohl auf Anfrage spontan dankbar darüber, dass der Historische Verein durch sein Engagement größeren Schaden verhindert hat. Denn wenn die Ehrenamtler sich nicht um die Fassadensanierung gekümmert und eine Fachfirma beauftragt hätten, wäre der Verfall unerkannt weiter fortgeschritten. Und hätte durch einen Abbruch von Fassadenteilen zu einem späteren Zeitpunkt großen Schaden anrichten können. Die Stadt hat ihren Mieter und den Ortsvorsteher über die weiteren Schritte informiert.

Demnach bleibt das Gebäude samt Vorplatz zunächst gesperrt, bis ein Statiker eine Untersuchung durchgeführt hat. Da eine entsprechend qualifizierte Fachperson bei der Stadt nicht beschäftigt ist, muss der Auftrag fremdvergeben werden. Wann die baufachliche Untersuchung erfolgt, ist offen. Und damit auch die Frage, ob die Kirmes stattfinden kann. Denn ohne Scheunen-Nutzung und mit abgesperrten Bereichen davor ist deren Durchführung nicht vorstellbar. Ortsvorsteher Kohl teilte auf Anfrage mit, dass ihm die Stadt eine zügige Bearbeitung zugesagt hat. Und er die an der Kirmes beteiligten Vereine sofort zusammenrufen und informieren wird, sobald Ergebnisse vorliegen.
