Zusammengefasst und eingeordnet von Claus Jotzo
Für die Masse der Gäste ist der Bad Kreuznacher Jahrmarkt nach der fünften (Fastnacht) einfach nur die sechste Jahreszeit. Mit viel Spaß an den fünf tollen Tagen auf der Pfingstwiese nach dem Warm-up am Fleeschworscht-Dunnerschdaach. Die ortsansässigen Schausteller können schon lange nicht mehr allein von diesem Ereignis leben. Aus nachvollziehbaren Gründen sind sie auf das Geld fixiert, das sie in diesem Jahr Mitte August verdienen. Denn wer weiß schon, ob irgendeine Seuche oder ein Wichtigtuer am Telefon den nächsten Jahrmarkt torpedieren. Für die Stadtverwaltung ist das größte Volksfest der Region immer mehr zu einer logistisch – sicherheitstechnischen Herausforderung geworden.

Die alle Kräfte bindet. Natürlich verwenden Marktmeister und der ehrenamtlich tätige Jahrmarktsausschuss viel Energie auf die Ausgestaltung von Details. Aber die große Linie und die Belebung und Fortschreibung von Traditionen stehen auf der Prioritätenliste der Offiziellen nur rhetorisch oben auf dem Arbeitsplan. Das haben Dieter Gronbach und sein Team schon vor Jahrzehnten erkannt. Und mit dem „Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt e.V.“ eine Plattform gegründet, die sich unabhängig vom Tagesgeschäft und den damit verbundenen Notwendigkeiten darum bemüht, die gute Seele dessen, was den Jahrmarkt tatsächlich ausmacht, am Leben zu halten.
Die Einsicht in die Tatsache, dass der Jahrmarkt für Stadt und das Naheland viel mehr ist, als ein seit über 200 Jahren stattfindendes Volksfest, mag Dieter Gronbach in seiner Zeit als Jahrmarktsbürgermeister erlangt haben. Auch die Erkenntnis, dass zum Erhalt dieses Bedeutungsinhaltes viel mehr gehört, als ein guter Verteilungsplan der Attraktionen, Buden und Fahrgeschäfte auf der Pfingstwiese. Zum Beispiel die Ermittlung und Verbreitung der Fakten rund um die 1810 ins Leben gerufene Veranstaltung. Auch das Wachhalten der Erinnerung an Traditionen, etwa die „Entwanzung“. Und die weit über 150 Jahre herausragende Tragweite des Handelsangebotes.
Wo heute reine Unterhaltung dominiert. Immerhin der Kommunikationsaspekt zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Jahrmarktes, die im Jahr 2030 – wenn nichts dazwischen kommt – mit der 200sten Veranstaltung ein bedeutendes Jubiläum aufruft. Der Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt hat in den letzten eineinhalb Jahrzehnten Meilensteine gesetzt, deren Wert die meisten erst in vielen Jahren erkennen werden. Obwohl doch der im Frühjahr 2023 öffentlich ausgetragene Streit um den „Fleeschworscht-Dunnerschdaach“ geradezu brutal offen gelegt hat, wie wenig die Verantwortlichen der Stadt von Vorgängen wissen, die erst 40 Jahre zurückliegen.
Monatelang wurde von Ahnungslosen im Amt Diskussionen über eine sechsten Jahrmarktstag zugelassen – und so mit der Existenz des Jahrmarktes gespielt. Bis der von Ralf Leonhard geführte Schaustellerverband und eben der „Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt e.V.“ die argumentative Notbremse zogen. Dieser Rückblick ist notwendig, um Aussenstehenden die Einordnung dessen zu ermöglichen, was am späten gestrigen Dienstagnachmittag in der Gaststätte „Zur Pfingstwiese“ von Dieter Gronbach bekanntgegeben wurde: der zwölfte Jahrmarktskalender ist das letzte Papierexemplar, das der Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt herausbringt.
Inhaltlich zunächst damit begründet, weil in diesem besonderen Kalender, der vom August 2025 bis zum Juli 2026 reicht, die Berichterstattung über die Jahrmärkte 2010 bis 2024 erfolgt. Und damit die Retrospektive auf die Jahrmarktsgeschichte abgeschlossen ist. Und dann auch damit, dass der Verein die Früchte seiner Arbeit künftig verstärkt digital anbieten möchte. Auch um damit der dynamischen Entwicklung im Informationsgewerbe Rechnung zu tragen. Dieser Aufgabe wird sich vor allem Heidi Sturm widmen. Die aus persönlichem Interesse am Jahrmarkt den Freundeskreis lange Zeit aktiv unterstützt hat.
Und Ende vergangenen Jahres in den Vorstand aufrückte. Was ein Beleg dafür ist, dass der Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt auch sich selbst für die Zukunft aufstellt, die er dem Jahrmarkt sichern möchte. Wer sich den druckfrischen Jahrmarktskalender 2025/26 sichern möchte, erhält diesen im Stadtwerke-Forum (Wilhelmstrasse 5), in den Sparkassen-Filialen Kornmarkt, Alzeyer und Mannheimer Strasse 181 und im Optikergeschäft Wagner (Mannheimer Strasse 174) bei Stephan Kühlen. Der Förderverein bittet um eine Spende von 5 Euro (gern mehr, Bericht folgt).
