Kommentar von Claus Jotzo
Wenn sie wieder einmal Medaillen gewonnen hat, sind alle Kameras auf sie gerichtet: Paula Pirro vom Kanu-Sport-Verein Bad Kreuznach e.V. (KSV). Was die Menschen nicht sehen: die unzähligen Trainingsstunden, die diese Erfolge überhaupt erst möglich machen. Statt eines Herbstspazierganges im Stadtwald oder einem Einkaufsbummel durch die Innenstadt verbrachte die 18jährige Sportlerin aus Feilbingert ihren gestrigen Samstagnachmittag auf der Kanu-Trainingsstrecke im Salinental. Die Bilder dieses Trainingsfleisses ermöglichen noch einen weiteren Hinweis.



Der Ausbau der Kanu-Trainingsstrecke wurde nur durch die Landesförderung und einen rund 20.000-Euro-Zuschuss aus der Stadtkasse möglich. Für diesen winzigen Teilbetrag im 160-Millionen-Euro-Haushalt der Stadt fanden unzählige Beratungen und Sitzungen statt. Sportler und Vereine, die in den vergangenen Jahren mit internationalen Erfolgen für die Stadt geliefert haben, mussten für diesen Zuschuss, der an anderer Stelle ohne jedes Nachdenken einfach rausgehauen wird, vielfach „bitte, bitte“ sagen. Beispiel: die Wahnvorstellung „Landesgartenschau“ in Bad Kreuznach.
Ebensogut könnten die Stadtverantwortlichen von Olympischen Spielen an der Nahe träumen. Aber weil Opa Heinz und Oma Pauschulke beim Wochenmarkteinkauf davon schwatzen, wie toll eine solche Blumenshow wäre, werfen wahlstimmengeile Kommunalpolitiker*Innen Geld, dass die Stadt gar nicht hat, zum Fenster raus. Als die Seifenblase „Landesgartenschau“ in den städtischen Gremien vor Monaten zum ersten Mal durchgewunken wurde, gab das Stadtbauamt die fremd zu vergebende Beratungsleistung nur für die Erstellung einer Bewerbung mit rund 100.000 Euro an.
Nachdem die grosse Mehrheit der Ahnungslosen mit Stimmrecht dafür bereitwillig die Hände in die Höhe gereckt hatte, wurde die Summe vor wenigen Wochen auf 162.000 Euro erhöht. Um das Dreifache der Förderung für die Kanustrecke. Und insgesamt auf das Achtfache deren städtischen Zuschussbedarfes. Für eine Ausgabe, die keine Träume befördert, sondern Medaillengewinne und damit konkrete Marketingvorteile, muss gebettelt werden. Für Wahnvorstellungen wird das von den Einwohner*Innen erarbeite Geld einfach so rausgehauen. Bedenken gabs im Planungsausschuss nur von zwei Seiten.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Rapp machte im Rahmen einer persönlichen Erklärung seinen Widerstand deutlich. Und enthielt sich anschließend. Die AfD stimmte als einzige mit einer sachgerechten Begründung gegen die Geldverschwendung. Und dann wundern sich deren kommunale Kritiker scheinheilig, wieso eine Partei, die auf Bundesebene Faschisten und massenhaft Dumbos in ihren Reihen hält, vor Ort zweistellige Ergebnisse erzielt. Offenbar haben leider nur wenige erkannt, dass die Sportler dieser Stadt für deren überregionales Image mehr geleistet haben, als die Geldvernichter.
